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Andreas Dorpalen: Kaiser Friedrich III. und die deutsche liberale Bewegung

Department of History, St. Lawrence University, Canton, New York

erschienen in:
American Historical Review, Vol. LIV, October 1948, p. 1-31

I

Friedrich III., der deutsche Kaiser für 99 Tage im Jahr 1888, wurde immer als eine Art Schutzheiliger des deutschen Liberalismus betrachtet. In seiner Jugend nahm er Partei für Preussens Liberale in deren bitterem Kampf mit seinem Vater König Wilhelm I. über dessen Pläne zur Vergrößerung der preussischen Armee. Später, lange nachdem es Bismarck gelungen war, die liberale Bewegung zu spalten, soll sich der Kronprinz immer noch lieber an den Rat liberaler Führer anstelle des konservativen Kanzlers gehalten haben. Vor allem aber, so glaubte man, hatte er sich unter dem Einfluss seiner englische Frau von der Überlegenheit des englischen parlamentarischen Systems über die halben Autokratien Preussens und Deutschlands überzeugt. Ungeduldigt warteten die Progressiven in Deutschland auf seine Thronbesteigung, überzeugt davon, dass er das Land vom illiberalen Kurs Bismarcks befreien würde. Doch als Friedrich schliesslich Wilhelm I. auf den Thron folgte war er unheilbar krank. Sein Tod gut drei Monate später und die Thronbesteigung seines Sohns Wilhelms II. begruben alle Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Kaiserreichs. Im Andenken vieler Deutscher überlebte Friedrich III. jedoch als der eine große Verfechter des Liberalismus auf dem Kaiserthron. Die meisten Historiker stimmten damit überein, aber gelegentlich wurden auch Zweifel laut. Der Zweck der vorliegenden Studie ist es, die Beziehung des Kronprinzen und des Kaisers Friedrich zur liberalen Bewegung seiner Zeit zu untersuchen.[1]

Friedrich Wilhelm von Preussen - bei seiner Thronbesteigung verkürzte er den Namen zu Friedrich - wurde im Jahr 1831 geboren, als Sohn des Prinzen Wilhelm von Preussen und der Prinzessin Augusta, Tochter des Großherzogs von Sachsen-Weimar. Die Ehe von Wilhelm und Augusta war nicht glücklich; beide hatten kaum etwas gemeinsam. Der in der militärischen Tradition der Hohenzollern erzogene Wilhelm war begeisterter Soldat und achtete auf strikte Disziplin. Augusta hingegen war in der künstlerischen und intellektuellen Atmosphäre Weimars aufgewachsen, eines herausragenden kulturellen Zentrums.

Die Spannung zwischen den Eltern wirkte sich auch auf den Sohn aus. Sowohl Wilhelm als auch Augusta waren dominante Persönlichkeiten und beide waren entschlossen, das Kind gemäß ihren nicht vereinbaren Ideen zu erziehen. Zwischen den Eltern hin- und hergerissen hätte Friedrich Wilhelm, ein scheuer und empfindsamer Junge [2], Führung und Bestätigung gebraucht, doch die erhielt er von keinem der Elternteile. Der Vater schüchterte ihn ein - "es ist so weit gekommen, dass Fritz zusammenschrickt wenn er seinen Vater kommen hört" beklagte sich Augusta einmal [3]. Die Mutter hingegen verbarg ihrem Sohn gegenüber nicht, dass sie wenig von seinen intellektuellen Fähigkeiten hielt [4]. Daher ist es natürlich, dass der Junge Minderwertigkeitsgefühle entwickelte, unter denen er sein Leben lang leiden sollte. Darüberhinaus hinderte ihn eine starke Abneigung gegen anhaltende intellektuelle Anstrengungen daran, eine geistige Unabhängigkeit zu erreichen, die es ihm erlaubt hätte, seine grundlegende Unsicherheit zu überwinden [5]. Dies führte dazu, dass seine politischen Auffassungen in jungen Jahren völlig konventionell waren - die eines preussischen Adligen in militärischen Diensten, in strikter Ablehnung der liberalen Idee eines vereinigten Deutschland [6].

Eine Reise nach England im Herbst 1855 bewirkte jedoch eine klare Änderung seiner Ansichten. Er verbrachte einige Wochen in Balmoral, der Sommerresidenz der englischen königlichen Familie. Die freie, angenehme Atmosphäre des Hoflebens im schottischen Hochland, die ruhige, selbstbewusste Art der Königin und des Prinzgemahls, das Fehlen starrer Formen und militärischer Disziplin hinterließ in seinem leicht beeinflussbaren Sinn einen dauerhaften Eindruck [7]. Hier konnte er einmal er selbst sein, ohne befürchten zu müssen, lächerlich gemacht oder zurechtgewiesen zu werden. Seit diesem Zeitpunkt sah er England als Zuflucht von den verwickelten Verhältnissen zu Hause [8]. Darüber hinaus fand er im Prinzen Albert den geduldigen und teilnehmenden Mentor, den weder Vater noch Mutter ihm je gewesen waren. Albert interessierte sich gründlich für den jungen Mann, der sich während dieses ersten Besuchs mit seiner ältesten (und liebsten) Tochter Victoria verlobte. Selbst von deutscher Abstammung, war dem Prinzgemahl der Kontrast zwischen dem politischen Leben in England und in den deutschen Staaten nur zu bewusst. Nach englischen Maßstäben war Preussen noch kaum dem feudalen Zeitalter entwachsen. Nun hatte der Prinzgemahl die Gelegenheit, die Ansichten des künftigen Herrschers von Preussen zu formen, und er ergriff diese Gelegenheit begierig.

Unter Alberts Einfluss begann sich Friedrich Wilhelm von der kleinen Clique der Junker, Militärs und Kirchenführer abzuwenden, die damals das politische Leben Preussens beherrschten. Dass sein Vater ebenfalls die vorherrschende pietistische und ultrakonservative Strömung in der preussischen Politik ablehnte erleichterte ihm diesen Schritt [9]. Doch wo sein Vater nur einige besonders auffällige Übertreibungen abmildern wollte, wollte der Sohn viel weiter gehen und generell englische konstitutionelle Bräuche in Preussen einführen [10].

Doch war Friedrich Wilhelm anscheinend nicht sosehr von tiefsitzenden Überzeugungen bewegt, sondern vom jugendlichen Enthusiasmus über eine neue Entdeckung. Nahen Beobachtern kamen bald Zweifel, wie lange er diese neuen Ansichten und Interessen vertreten würde. Besonders seine Mutter äusserte Bedenken, dass er wieder unter die alten üblen Einfluss geraten könnte. Zeitweise scheint auch Albert diese Zweifel geteilt zu haben. Die Befürchtungen waren nicht unbegründet. Zwar war das Interesse des Prinzen an liberalen Ideen durchaus echt, aber in der erdrückenden Atmosphäre des Berliner Hofs wäre es auch einem stärkeren Charakter schwergefallen, dem vorherrschenden konservativen Druck zu widerstehen [11]. Es ist bezeichnend, dass die Klagen über die wechselhaften Ansichten des Prinzen nach seiner Hochzeit mit Prinzessin Victoria nachliessen. Die junge Frau stürzte sich mit dem Eifer eines Missionars auf die Aufgabe, den Einfluss von Armee und Junkern auf ihren Ehegatten zu bekämpfen. Die Auswirkungen ihrer Anstrengung machten sich bald bemerkbar. Ihrem Mann intellektuell überlegen, war sie schnell in der Lage, einen bestärkenden Einfluss auf Friedrich Wilhelm auszuüben [12]. Ihre Aufgabe wurde dadurch erleichtert, dass ihr die Berliner Bevölkerung - in einer klaren politischen Demonstration - bei der Hochzeit einen jubelnden Empfang bereitete [13]. Offensichtlich begrüßten die Berliner in ihr die Vertreterin neuer und populärer Ideen, was seine Wirkung auf den Prinzen nicht verfehlte.

Am Ende des Jahres 1858 unternahm Preussen einige vorsichtige Schritte hin zu einer progressiveren Politik. Da König Friedrich Wilhelm IV. unheilbar geisteskrank war wurde Prinz Wilhelm preussischer Regent. Bei seiner Übernahme der Regentschaft schlug er eine Reihe begrenzter Reformen vor, die er für unverzichtbar hielt. Er verlangte die Bekämpfung der Korruption und eine Beschränkung des ständig steigenden Einflusses bestimmter Kreise der Lutherischen Kirche auf die Politik. Darüber hinaus sprach sich Wilhelm jedoch für "vernünftige, starke, konservative Prinzipien" aus [14].

Trotz seiner Begrenztheit wurde dieses bescheidene Programm von Preussens Liberalen begeistert begrüßt [15]. Es ist richtig, dass der Liberalismus wenig erreicht hatte. Aber der preussische, und auch der deutsche Liberale dieser Zeit maß politischen Erfolg nicht in Bezug auf politischen Machtgewinn. Er sah die politischen Probleme hauptsächlich unter moralischen und rechtlichen Aspekten. Er begab sich in die politische Arena, um sein Überzeugungen zu vertreten, nicht um Macht zu gewinnen, und die Verfechtung von Gerechtigkeit und Moral waren für ihn wichtiger als die Frage parlamentarischer Vertretung [16].

Indem er den Staat vor allem als ein System von Recht und Ordnung betrachtete konnte er die Vorstellung des Programms der "neuen Ära" als einen bedeutenden Sieg begrüßen. Es versprach, die Verletzung verfassungsmäßiger und anderer rechtlicher Garantien zu beenden, es bestand auf der Beachtung des Gesetzes und es sicherte zu, die Bürger vor politischem und anderweitigem Druck zu beschützen. Darüber hinaus brachte die Wiederherstellung des Gesetzes das höchste außenpolitische Ziel des preussischen Liberalismus näher, nämlich die Vereinigung Deutschlands unter preussischer Führung. Gemäß der liberalen Prinzipien konnte dieses Ziel nur durch "moralische Eroberungen" erreicht werden, die ihrerseits eine rechtliche und moralische Innenpolitik zur Voraussetzung hatten. Wie das Programm der "neuen Ära" versprach, konnte Preussen eine führenden Position in Deutschland nur erreichen durch "weise Gesetzgebung, Stärkung aller moralischen Elemente und durch die Gemeinschaft stärkende Faktoren wie den Zollverein".

Auf Friedrich begrüßte das Programm seines Vaters, überzeugt davon, daß es einen wichtigen Sieg für die liberale Sache darstellte. Er konnte die Bedenken einiger linker Liberaler gegenüber der neuen Politik nicht verstehen und verurteilte diese "unvernünftigen ultraliberalen Bewegungen" [17] bitter. Gleichermassen hielt er das Verlangen des Unterhauses des preussischen Landtags auf Entlassung bestimmter reaktionärer Beamter für "taktlos". Und doch war er nicht zufrieden. Wie sein Tagebuch erkennen lässt, fühlte er sich nicht glücklich mit seiner neuen politischen Ausrichtung, die von seinem Gefolge mit Verachtung und Ablehnung betrachtet wurde. Er versuchte sich davon zu überzeugen, dass er nur einer politischen Notwendigkeit folgte [19], war aber tief betrübt über seine wachsende Entfremdung von der Arme und der Aristokratie, die seit jeher die engsten Verbündeten der Hohenzollern gewesen waren. "In diesem unglücklichen Gefühl des Bedauerns", bemerkte ein Beobachter, "hat die Junkerpartei einen ihrer wirksamsten Verbündeten." [2]

Die Ereignisse sollten Friedrich Wilhelm jedoch zwingen, klarer Stellung zu beziehen. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. wurde Prinzregent Wilhelm im Januar 1861 König von Preussen. Nun konnte er sich dem langegehegen Plan einer Reorganisation und Erweiterung der preussischen Armee widmen. Deren Schwäche war in den zurückligenenden Jahren wiederholt der Anlass für diplomatische Rückschläge gewesen. Die Reformen sahen einen Anstieg der jährlichen Rekrutenzahl (die immer noch auf der Bevölkerungszahl der Napoleonischen Kriege basierte) vor und die Einbeziehung eines größeren Teils der Landwehr in die reguläre Armee. Der Landtag stimmte der vorgeschlagenen Erhöhung und technischen Verbesserungen zu, aber das Unterhaus sträubte sich gegen die Reduktion der Landwehr auf eine unbedeutenden Größe. Dieser Widerstand hatte politische Gründe: Als Armee der Bürger hatte die Landwehr, anders als die reguläre Arme, Sympathien für die politischen Hoffnungen und Bestrebungen der Nation. Als Teil der regulären Armee hingegen wäre sie zu einem Werkzeug in der Hand der Berufsoffiziere geworden (und dies war tatsächlich einer der Beweggründe für den Reformvorschlag). Die Deputierten verweigerten daher die Zustimmung zum Militärhaushalt. Zunächst einigte man sich auf eine provisorische Regelung, aber im Jahr 1862 wurde die entscheidende Kraftprobe unvermeidlich.

Über lange Zeit hinweg erschien dieser Konflikt Friedrich Wilhelm erstaunlich wenig zu berühren. Sein Tagebuch, das für 1861 und 1862 beinahe täglich Einträge enthält, geht kaum darauf ein. Er war von der Notwendigkeit zur Heeresreform "fest überzeugt", wie er Bismarck im September 1862 schrieb, fügte aber hinzu "es ist mein unwandelbares Prinzip dass eine so wichtige und weitreichende Massnahme nicht ohne die Unterstützung des Landes durchgeführt werden kann und darf." [21] Dementsprechend favorisierte er die vorgeschlagene Verringerung des Militäretats, als nach der Auflösung des Unterhauses die neugewählten Abgeordneten der Heeresreform mit noch größerer Mehrheit die Zustimmung verweigerten [22].

Die wenigen Gedanken, die er seinem Tagebuch anvertraute, zeigen jedoch, dass er den Konflikt mehr unter dem Gesichtspunkt seiner eigenen Zukunft betrachtete, und nicht so sehr als einen Widerstreit grundlegender politischer Prinzipien [23]. Liberale Führer aus dem Umkreis seines politischen Ratgebers Max Duncker beeindruckten ihn mit Berichten über den wachsenden Einfluss ihrer Bewegung. Sie liessen ihn wissen, dass sie nicht ruhen würden, bis das Ziel der Vereinigung und der konstitutionellen Freiheit erreicht wäre. Auch warnten sie ihn, dass die überwältigende Mehrheit des preussischen Volks einen Militärstaat niemals dulden, sondern auf einer Herrschaft von Recht und Ordnung bestehen würde, "geführt von einem Landesvater, nicht von einem mittelalterlichen Soldatenkönig" [24]. Der Kriegsminister seines Vaters, General von Roon hingegen gab ihm zu verstehen, dass seine Zukunft vom Erfolg der Heeresreform abhinge. Gleichzeitig machte ihm sein Gefolge in kaum verhüllten Drohungen klar, dass die Armee seine Thronbesteigung nicht dulden würde, sollte er sich zu eng mit den liberalen Bestrebungen einlassen. Und wie zur Bestätigung gab es wiederholt Gerüchte von einem Plan des Militärs, sowohl den König wie den Kronprinzen zugunsten ihres Neffen bzw. Cousins Prinz Friedrich Karl, eines bedingungslosen Verfechters der Militärclique, zur Abdankung zu bewegen [25].

Wie sollte sich Friedrich Wilhelm verhalten, wo seine Zukunft so offenkundig vom Ausgang des Konflikts abhing? Es war nicht einfach, eine klare Antwort auf diese Frage zu finden. Unter dem Einfluss seiner Frau und seiner Ratgeber waren ihm die Mängel des bestehenden Systems zunehmend klar geworden. Darüber hinaus war er überzeugt, dass der Liberalismus die politische Bewegung der Zukunft war, mit dem sich die Monarchie würde arrangieren müssen. Gleichzeitig spürte er aber, dass ein liberaler Sieg eine Schwächung der königlichen Macht bedeuten musste, eine Aussicht, die ihm zutiefst missfiel [26]. Und würde er diesen Prozess nicht noch beschleunigen, wenn er dem König öffentlich widersprach? Auch andere Faktoren mussten bedacht werden. Vorläufig besassen Armee und Aristokratie noch die wirkliche Macht im Staat. Eine zu offene Herausforderung dieser Kräfte, so fürchtete er, könnte ihn den Thron kosten. Und schliesslich war die Frage, ob er sich jemals von den Bindungen an das preussische Offizierskorps würde lösen können, einem Offizierskorps dem er voller Stolz angehörte und dessen Oberkommandierender er eines Tages werden wollte! [27]

Dunckers Vermittlung ersparte es ihm, dieses Dilemma aufzulösen. Er riet dem Prinzen, sich in aller Stille für eine liberalere Politik einzusetzen aber immer zu bedenken, dass die Opposition zu seinem Vater - im Interesse der Dynastie - niemals bis zu einem offenen Bruch mit dem König gehen durfte [28]. Diese sich nicht festlegende Haltung war dem Kronprinzen sehr angenehm; sie schien die perfekte Lösung seiner Schwierigkeiten zu bieten.

Im September 1862 erreichte die Krise ihren Höhepunkt. Da das Unterhaus die weitere Finanzierung verweigerte, erklärte die Regierung dem König, die vorgeschlagenen Reformen nicht durchführen zu können. Wilhem war jedoch nicht bereit seine Pläne aufzugeben. Er war in erster Linie Soldat und war ernsthaft besorgt über den militärischen Zustand des Lands. Sollte es ihm nicht gelingen das zu erfüllen, was er als seine Pflicht ansah, so war er bereit, zugunsten seines Sohns abzudanken.

Friedrich Wilhelm war zu diesem Zeitpunkt einunddreissig Jahre alt. Er war gegen den Einfluss der militärischen Partei auf die preussische Politik und verurteilte die Missachtung des Landtags nach dem verheissungsvollen Beginn der "neuen Ära". Vor allem fürchtete er, dass dies Preussen seine führende Rolle in Deutschland kosten könnte, indem sich die liberaleren süddeutschen Staaten vom politisch reaktionären Berlin abwenden würden [29]. Man sollte daher annehmen, dass er er die Chance, selbst den Thron zu besteigen begrüßen würde. Schliesslich würde dies die Möglichkeit eröffnen, einen friedlichen Ausgleich zwischen den widerstreitenden Interessen von Armee und Bürgertum zu erreichen, so wie er es schon lange angestrebt hatte. Aber er war zwischen widersprüchlichen Loyalitäten gefangen, fürchtete die Auswirkung eines Herrscherwechsels auf beide Lager, und war eingeschüchtert vom Gedanken, anstelle seines Vaters die Regierung zu übernehmen. Alles in ihm revoltierte gegen eine solche Möglichkeit. Er war generell nicht dazu geneigt, für seine Überzeugungen zu kämpfen und ging Konflikten lieber aus dem Wege. Ausserdem war für ihn das Prestige der Dynastie von entscheidender Bedeutung, daher widerstrebte es ihm, seine Regierung mit einer Niederlage der Krone zu beginnen. Schliesslich spielte auch der an Furcht grenzende Respekt gegenüber seinem Vater eine Rolle - "Die Vorstellung, den Thron seines Vaters zu übernehmen während dieser noch lebte erschreckte ihn." [30] "Nun ist die Krise mit voller Kraft ausgebrochen", notierte er am 18. September 1862, "und neben dem vielen anderen Unheil steht uns nun auch noch das Schlimmste bevor, die Idee der Abdankung! Gott helfe uns!" [31] Am folgenden Tag traf er seinen Vater: "Ich warnte ihn vor der unüberschaubaren Gefahr, die ein solcher Schritt für Krone, Land und Dynastie heraufbeschwören würde... Alle Vorhaltungen sind umsonst. Welch schreckliche Lage für mich!" [32]

Diese Sorgen hätte er sich nicht machen müssen. Die meisten der Berater des Königs waren ebenso entschlossen, ihn vom Thron fernzuhalten, wie er entschlossen war, ihn nicht zu besteigen. Sie hielten ihn für den Protagonisten der Liberalen, dessen Regierung den politischen Einfluss von Militär und Aristokratie ernsthaft beschneiden oder sogar ausschalten würde [33]. Wilhelm hingegen, so dachten sie, liesse sich dazu überreden den Landtag notfalls zu übergehen und die Heeresreform auch gegen dessen Willen durchzuführen. Man musste nur jemanden finden, der bereit war, den Abgeordneten zu widerstehen und die Pläne der Armee bedingungslos durchzusetzen.

Diesen Mann fand man in Otto von Bismarck, dem preussischen Gesandten in Frankreich. Ein dringendes Telegramm seines Freunds Roon rief ihn nach Berlin zurück. Bei seiner Vorstellung beim König erklärte er seine Bereitschaft, die Reformen gegen den Widerstand des Landtags zu verfolgen. Unverzüglich wurde er mit der Regierungsverantwortung betraut.

Für den Kronprinzen kam diese Ernennung überraschend [34]. Abwohl dies die Krise zunächste beendete, war er mit der Entscheidung nicht zufrieden. Er dachte, aus diesem Sieg der Junker könne nichts Gutes erwachsen. So entschied er sich, den Rest des Jahres auf ener Mittelmeerreise zu verbringen. Auf diese Weise würde man ihn wenigstens nicht mit der Politik des neuen Ministerpräsidenten in Verbindung bringen können [35].

Wenn Friedrich Wilhelm glaubte, die Meinung der Liberalen so besänftigen zu können, dann irrte er sich. Seit dem Tag von Bismarcks Ernennung warteten die Liberalen auf kritische Äußerungen von ihm gegen die neue Regierung. Sie warteten vergebens. Auf Dunkers Rat hin enthielt sich der Prinz jeder öffentlichen Stellungnahme. Nach seiner Rückkehr nach Berlin nahm er an den Treffen des Kabinetts teil, um sich mit den Regierungsdingen vertraut zu machen. Auch dort hielt er sich an das selbstverordnete Schweigen. "Er sitzt im Ministerrat wie eine Statue und als ein memento mori", schrieb ein Beobachter. "Vergebens haben sich die Minister bemüht, seine Meinung zu erfahren. Mit diesem Schweigen will er vermeiden, sich in den Augen des Volks zu kompromittieren und will gleichzeitig einem Bruch mit seinem Vater aus dem Wege gehen." [36]

Wenige sahen jedoch in dieser passiven Rolle Hinweise auf eine Opposition gegen Bismarck. Gerüchte liefen um, der Kronprinz habe die liberale Sache verlassen. "Durch die passive Haltung des Kronprinzen wird das Land der Dynastie entfremdet", schrieb der beliebte Romanautor Gustav Freytag. "Die Opposition verlangt von ihm, dem Volk seine Haltung zu erklären und Stellung zu beziehen. Die Position des Kronprinzen ist anfechtbar. Sogar unter den vernünftigeren Leuten kursiert die Idee, ... dass man mit den Junkern leicht durch eine Abweichung von der legitimen Thronfolge fertig werden könne." [37] Zwar nahm Freytag hier die Ideen einer kleine Gruppe übermäßig ernst, die vage daran dachte, den Grossherzog Friedrich I. von Baden, Schwiegersohn von Wilhelm I., nach dessen Tod auf den preussischen Thron zu bringen [38]. Aber es gibt viele Hinweise darauf, dass Friedrich Wilhelms Untätigkeit in liberalen Kreisen tiefe Enttäuschung hervorrief. Der Historiker Hermann Baumgarten sprach für Viele als er sich bei seinem Kollegen Heinrich von Sybel beklagte:

"Ich habe Grund anzunehmen, dass nichts unversucht gelassen wurde, um den Kronprinzen über die Situation und seine Pflichten zu informieren. Aber nach dem, was ich höre, muss ich annehmen, dass er unfähig ist, in wichtigen Dingen irgend etwas zu erreichen. Offenbar ist sein Intellekt ebenso unbedeutend wie sein Charakter. Schon lange habe ich aufgehört, irgend etwas von ihm zu erwarten und ich denke, auch Sie sollten sich mit dieser Tatsache abfinden." [39]

Trotz dieser Kritik riet Dunker dem Prinzen, seine Haltung passiven Widerstands beizubehalten [40]. Als sein enger Berater konnte er die Schwierigkeiten einschätzen, die sein stark konservatives, wenn nicht reaktionäres Gefolge dem Prinzen bereitete - Schwierigkeiten von denen die liberalen Kritiker meist nichts wussten. Andere Berater widersprachen dieser Haltung jedoch. Alarmiert durch die negative Reaktionen, die sein Schweigen hervorrief, schlugen sie vor, er solle durch eine öffentliche Stellungnahme seine Position deutlich machen. Besonders Gustav Freytag wirkte nachdrücklich auf den zögernden Prinzen ein. "Privat habe ich mir die Aufgabe gestellt ... den Kronprinzen von Preussen gegen das herrschende System aufzubringen", berichtete er seinem Freund Mathy. "Ich habe mich fast umgebracht mit Drohungen und Appellen nach Berlin und nach England. Sie stimmen mir zu, aber die Sache ist schwierig... Nun ist die Schwiegermutter unsere letze Hoffnung; sie hat versprochen zu helfen." [41]

Friedrich Wilhelm fühlte sich in dieser komplexen Situation hilflos. Passiver Widerstand war ihm als einfacher und sicherer Ausweg erschienen; nun warnten ihn Freytag und andere, dass er früher oder später doch Stellung beziehen müsse. Als dieses Thema zum ersten Mal angeschnitten wurde stimmte er schnell zu: "Freytag hat recht. Es ist gut, wenn einen die Umstände zwingen, halbherzige Maßnahmen aufzugeben." [42] Wahrscheinlich schien ihm in diesem Augenblick die Notwendigkeit zu handeln noch weit entfernt zu sein. Als sie näherrückte wurde er zunehmend unsicher [43].

Ein Handeln wurde unausweichlich als Bismarck daran ging, die wachsende Opposition durch Beschränkungen der Pressefreiheit zu bekämpfen. Dieser Vorschlag wurde erstmals im April gemacht, zunächst aber nicht weiter verfolgt. Als im Mai der Kampf mit dem Landtag besonders erbittert tobte, kam Bismarck darauf wieder zurück. Friedrich Wilhelm, der der Diskussion im Ministerrat folgte, erkannte, dass ihn eine solche Verletzung der verfassungsmäßigen Rechte in die Oppositon treiben musste. Tief besorgt äußerte er seine Bedenken und Befürchtungen in einem Brief an seinen Schwager, den Großherzog von Baden: "Die Regierung wird womöglich Erlasse verkündigen, die mit der Verfassung nicht unverträglich sind, die aber vom Volk als Verletzung der Verfassung angesehen werden. In diesem Fall wäre ich in einer sehr schwierigen Position, weil ich Einspruch erheben müsste. Aber wenn erst einmal die verschiedenen Erklärungen und Interpretationen miteinander in Wettstreit geraten, wer soll dann die Quintessenz herausfinden?" [44] Die Antwort des Grossherzogs bot wenig Trost. Die gegenwärtigen Bedingungen müssen dem preussischen Volk hoffnungslos erscheinen, erwiderte er. Aus diesem Grund solle der Kronprinz so handeln, "dass das Volk ... neue Hoffnung schöpfen kann." Er schlug vor, Friedrich Wilhelm den König vor der Verküngigung der geplanten Erlasse zu warnen [45]. Widerstrebend schrieb Friedrich Wilhelm seinem Vater einen Brief in dem er, zögernd und kleinlaut, seine ernsten Bedenken zum Ausdruck brachte. Beinahe selbsterniedrigend in seinem Tenor legt der Brief ein trauriges Zeugnis ab von der Furcht, die der Kronprinz im Verhältnis zu seinem Vater niemals ablegen konnte [46].

Am nächsten Tag verliess er Berlin um an militärischen Manövern in Westpreussen teilzunehmen. Am selben Tag wurde der Presserlass verkündet. Grob gesagt gab er den Polizeibehörden fast völlige Freiheit im Umgang mit der Presse und ermächtigte sie, Zeitungen und Magazine fast nach Belieben zu verbieten. Letztlich wurde durch den Erlass jegliche oppositionelle Meinungsäusserung für illegal erklärt [47]. Der Kronprinz erfuhr von diesem Schritt zwei Tage später. "Was anderes kann ich tun als Bismarck einen Protest zu senden", notierte er nervös in seinem Tagebuch, "und was für ein Unglück mag daraus entstehen? Gott stehe uns bei!" [48] Auch wenn ihm der Gedanke seinem Vater zu widersprechen verhasst war, überwand er sich dazu, nochmals an den König und an Bismarck zu schreiben. Erneut warnte er vor den Risiken ihrer willkürlichen Politik und brachte seine Missbilligung zum Ausdruck [49]. Aber man erwartete mehr von ihm als Proteste im Stillen. Als er am nächsten Tag in Danzig ankam wurde er ungewöhnlich kühl empfangen; "die Menschen sind wirklich empört über den Presseerlass." [50] Der Bürgermeister, Leopold von Winter, ein prominenter Liberaler, drängte ihn dazu, seine Opposition zu dem Erlass öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Winter hatte eine energische Verbündete in der Kronprinzessin, die, wie sie später ihrer Mutter schrieb, "alles tat was ich konnte um Fritz dazu zu bringen." [51] Auf ihr Drängen hin entschloß sich der Prinz zur öffentlichen Stellungnahme. Wie er an Duncker schrieb, der sich gegen diesen Schritt ausgesprochen hatte, "Im Blick auf meine Zukunft und die Zukunft meiner Kinder konnte ich nicht anders handeln." [52]

Als Winter ihn im Rathaus formell begrüßte und bedauerte, dass sie sich nicht unter glücklicheren Umständen begegneten, erwiderte Friedrich Wilhelm nach einigen Eingangsbemerkungen:

"Auch ich bedaure es, dass ich zu einer Zeit hierher kam, in der sich ein Zerwürfnis zwischen Regierung und Volk entwickelt hat, von dem ich zu meiner grossen Überraschung erfahren habe. Ich wusste nichts von den Erlassen die dazu geführt haben. Ich war nicht zugegen. Ich hatte keinen Anteil an den Konsultationen die zu ihrer Verkündung führten. Aber wir alle, und ich ganz besonders, der ich die edle und väterliche Haltung und grossmütigen Absichten der Königs am besten kenne, wir alle sind zuversichtlich, dass Preussen unter dem Zepter Seiner Majestät die Größe erreichen wird, für die es von der Vorsehung bestimmt ist."

Friedrich Wilhelm hatte die politische Arena nur sehr widerstrebend betreten. Er tat es schliesslich aus der Furcht heraus, dass Bismarcks Kurs zum Sturz der Monarchie führen konnte [54]. Nun hatte er gehandelt, aber sofort nach seiner Ansprache ergriffen ihn wieder die alten Ängste. Wie würde der König reagieren? Würde er verstehen, dass die Kritik seines Sohns nicht gegen seine Person gerichtet waren, sondern gegen die "gefährlichen Theorien" Bismarcks? Und falls nicht, würde dies zum gefürchteten Bruch mit ihm führen? "An diese schreckliche Möglichkeit kann ich nicht einmal denken, es macht mich krank." [55] Ein Brief Viktorias an ihre Mutter schildert ihn als "in einem sehr kläglichen seelischen Zustand und er ist infolgedessen garnicht wohl... Im Gedanken an seinen Vater fühlt er sich ganz kraftlos." [56] Noch schlimmer war vielleicht das Gefühl der Isolation, das den Prinzen in diesen Tagen nie verlies. Ausser seiner Frau gab es niemanden mit dem er seine Gedanken teilen konnte. Seine liberalen Berater waren zurückgeblieben; sein militärisches Gefolge war seinen Vorstellungen gegenüber feindlich, oder im besten Fall gleichgültig eingestellt. "Wir sind befinden uns in dieser kritischen Lage ohne Sekretär, ohne eine einzige Persönlichkeit, die uns einen Rat geben, für uns schreiben, oder uns helfen könnte," klagte Victoria ihrer Mutter. "... wir sind von Spionen umgeben, die alle unsere Schritte beobachten, sie sogleich nach Berlin berichten, und zwar natürlich so, dass allem, was wir auch tun, entgegengewirkt wird. Die freisinnigen Zeitungen sind verboten, so wissen wir nicht einmal was vor sich geht." [57]

Diesmal jedoch weigerte sich Friedrich Wilhelm nachzugeben. Auf seines Vaters sofort geäussertes Verlangen hin verpflichtete er sich zwar, keine weiteren öffentlichen Einspruch gegen die Politik der Regierung zu äußern, wies jedoch (vermutlich auf Victorias Anregung) Wilhelms weitergehende Forderung zurück, die Danziger Rede zurückzunehmen. "Ich bin mir über die möglichen Folgen einer solchen Haltung im Klaren," schrieb er an Wilhelm, "sei aber bitte überzeugt, dass ich mit demselben Mut Risiken eingehen und für meine Überzeugungen leiden werde mit dem Du, lieber Papa, dies einst getan hast [58].

Und Risiken gab es. Als Offizier hatte sich der Prinz der Insubordination schuldig gemacht und war dadurch mit mehrjähriger Festungshaft bedroht. Eine solche Strafe war gegen den jungen Friedrich den Grossen wegen "Desertion" verhängt worden als er vergeblich versucht hatte, der Herrschaft seines Vaters nach England zu entfliehen. Wilhelm war zu sehr Soldat um solch ein Vorgehen im Falle seines Sohns nicht zu erwägen, und so mancher Angehörige des Hofs hätte über eine solche Maßnahme frohlockt. Bismarck bestand aber darauf, den Prinzen nicht zu einem Märtyrer der liberalen Sache zu machen. Der Minister wies darauf hin, daß die moralische Ermutigung, die die Liberalen durch die Verfolgung Friedrich Wilhelms erfahren würden, leicht die Position von sowohl König als auch Regierung in Gefahr bringen könnte [59]. Daher begnügte sich der König mit einer scharfen Zurechtweisung und zu Friedrich Wilhelms großer Erleichterung war eine unerwartet rasche Versöhnung möglich. Der Kampf hatte ihn beinahe erschöpft. Als Wilhelm in einem zweiten scharf kritisierenden Brief den Vorfall für beendet erklärte war der Prinz überglücklich. "Ich lege meinen Dank zu Deinen Füßen", telegraphierte er dankbar an den König [60].

Weder konnte die Danziger Ansprache der willkürlichen Politik Bismarcks Einhalt gebieten, noch überzeugte sie die Liberalen von Friedrich Wilhelms nachhaltiger Opposition gegen den Ministerpräsidenten und die Militärpartei. Es handelte sich nicht um die offene und gradlinige Stellungnahme, die die Liberalen in Preussen und Deutschland erhofft hatten. In ihrer Mehrdeutigkeit bewirkte sie mehr Verwirrung als Klärung der Situation. Für Friedrich Wilhelm kam diese Reaktion überraschend. Hatte er nicht alles getan was er tun konnte? Wie er seinem Schwager schrieb, "Meine Abschlussbemerkungen zu Papa, die das Volk ablehnt, waren das Äusserste was ein Sohn tun konnte und sie waren das Passendste was ich sagen konnte." [61] Was die Liberalen aber noch mehr ablehnten war seine Erklärung, dass die Verkündung des Presseerlasses für ihn überraschend gekommen sei. Es war in politischen Kreisen wohlbekannt, dass Bismarck diesen Schritt schon seit geraumer Zeit geplant hatte, daher warf man dem Kronprinzen vor, entweder unaufrichtig oder äußerst uninformiert zu sein [62].

Teils um diesen ungünstigen Eindruck zurechtzurücken, teils um die liberale Opposition weiter zu unterstützen wurde Friedrich Wilhelm gedrängt, dem Danziger Protest weitere Schritte folgen zu lassen. Baron von Roggenbach, der Premierminister von Baden, schlug vor, der Prinz solle von allen seinen Ämtern zurücktreten [63]. Andere Berater verlangten weiter öffentliche Stellungnahmen gegen Bismarck [64]. Es gab sogar das Ziel, einen völligen Bruch zwischen Vater und Sohn zu bewirken. Schnell setzten sich jedoch die kühleren Köpfe durch und diese Idee wurde wieder aufgegeben [65]. Auf Vorschlag Victorias und seines Sekretärs Ernst von Stockmar sandte der Prinz (entgegen dem Versprechen, das er seinem Vater gegeben hatte) schliesslich einen Brief an Bismarck, in dem er diesen warnte, er könne sich unter bestimmten Umständen zu weiterem öffentlichen Protest genötigt sehen [66].

Im August traf der den König zum ersten Mal seit dem Danziger Vorfall. Wilhelm I. bestand darauf, seine geplante Heeresreform durchzuführen. Falls nötig, würde das Unterhaus erneut aufgelöst werden; "Das Land muss gehorchen". Bismarck äußerte sich in ähnlichem Sinne. Der Kronprinz verliess das Treffen "in grosser Sorge über meine und des Vaterlands Zukunft." [67] Einige Tage später notierte er in seinem Tagebuch, dass der Widerwillen gegen Preussen in Süddeutschland stetig anstieg. "Auch sonst ruhige Beobachter sagen eine Revolution voraus..." [68] Wie er es sah, steuerten König und Regierung auf ein Unglück zu [69]. Aus Gründen der Selbsterhaltung musste er sich soweit wie möglich aus den öffentlichen Angelegenheiten zurückziehen. Im September bat er - erfolgreich - darum, sich von den Kabinettssitzungen fernhalten zu dürfen solange Bismarck im Amt war. Den Rest des Jahres verbrachte er fern von Berlin, meist in England, um sich bewusst von der Politik der Regierung zu distanzieren.


II

Friedrich Wilhelm blieb mit der liberalen Bewegung nicht nur wegen deren Rolle in Preussen in Kontakt, sondern auch, weil sie die einzige Möglichkeit zu bieten schien, die Vereinigung Deutschlands unter Preussens Führung zu erreichen. Bismarcks Politik dagegen schien alle Chancen für eine preussisch kontrollierte Vereinigung der deutschen Staaten zu untergraben.

Unsicher und im Bewusstsein seiner geistigen Grenzen orientierte sich Friedrich Wilhelm zeitlebens an der Autorität um seine Scheu zu bemänteln. Wie seine Mutter über den siebenjährigen Jungen schrieb, "er legte großen Wert auf Äußerlichkeiten," und in späteren Jahren warf sie ihm wiederholt vor, sich zu leicht durch äußeren Glanz beeinflussen zu lassen - ein Eindruck der von vielen anderen Beobachtern bestätigt wurde [70]. Unter diesen Umständen war die Aussicht, ein vereinigtes Deutschland zu regieren, vor allen anderen deutschen Fürsten, für ihn äußerst verlockend. Frühere Bedenken gegen die nationale Bewegung überwand er umso leichter, als es in den 1850er Jahren klar wurde, dass die Führer der Vereinigungsbewegung weniger radikale Revolutionäre waren sondern meistenteils moderate Liberale. Aber im Gegensatz zu den meisten deutschen Liberalen war der Prinz weniger an der Vereinigung um ihrer selbst willen interessiert, sondern als einer Stufe für Preussen und Hohenzollern, um mehr Macht und Ansehen zu erlangen. Als sein Schwiegervater Prinz Albert erwog, für die Vereinigung Deutschlands könnte es für Preussen erforderlich werden, ebenso wie die kleineren Staaten seine Souveränität aufzugeben, schreckte der Prinz zurück [17]. Und ausnahmsweise war er sich mit dem verhassten Bismarck einig, als dieser Preussens Beteiligung an der Fürstenversammlung in Frankfurt am Main im August 1863 ablehnte. Diese war auf Österreichs Initiative hin einberufen worden, um den lose geknüpften Deutschen Bund aufzuwerten, und ihr Erfolg hätte Preussens Aussichten, eine vollständig vereinigtes Deutschland anzuführen stark verringert [72].

Andererseits teilte Friedrich Wilhelm die Überzeugung der Liberalen, dass die Vereinigung den anderen Staaten nicht aufgezwungen werden durfte, sondern nur durch "moralische Eroberungen" möglich war [78]. Aus diesem Grund widersprach er Bismarcks Machtpolitik, dessen Missachtung des Parlaments und der öffentlichen Meinung, die den Erfolg der moralischen Überzeugungskampagne zugunsten Preussens immer zweifelhafter werden liessen [74].

Der Prinz fühlte sich in seinen Befürchtungen bestätigt, als er beobachtete, wie Bismarck mit dem Disput über die beiden Herzogtümer Schleswig und Holstein umging. Im November 1863 unternahm König Christian IX von Dänemark Schritte, Dänemark das Herzogtum Schleswig einzuverleiben, das zusammen mit Holstein vom Wiener Kongress mit seinem Königreich in Personalunion vereinigt worden war. Die deutsche öffentliche Meinung betrachtete dies als eine Verletzung früherer Verträge und Verpflichtungen und unterstützte die etwas fragwürdigen Erbansprüche des Prinzen Friedrich von Augustenburg auf die beiden Herzogtümer. Verlangt wurde die "Befreiung" der beiden Herzogtümer und ihre anschließende Aufnahme in den Deutschen Bund unter der Herrschaft des Prinzen von Augustenburg.

Friedrich Wilhelm unterstützte diese nationale Sache und Augustenburgs Anspruch sofort [75]. Bismarck hingegen wollte keinen weiteren und womöglich antipreussischen Staat in Preussens Hinterhof [76]. Daher versuchte er, die Beilegung des Konflikts zu verzögern, in der Hoffnung, die Entwicklungen dahingehend beeinflussen zu können, dass die zwei Herzogtümer schließlich Preussen zufallen mussten. Um Zeit zu gewinnen schien er sogar zeitweilig die Ansprüche Christians IX. zu unterstützen. Der Kronprinz durchschaute diese komplizierten Manöver nicht und verurteilte sie als "undeutsch"; in seinen Augen verriet Bismarcks Haltung eine antinationale Einstellung, die Preussens Stellung in einem vereinigten Deutschland weiter gefährden musste. Bismarcks Erklärungen konnten diese Befürchtungen nicht beseitigen. Friedrich Wilhelm war von der Notwendigkeit einer "moralischen Eroberung" Deutschlands überzeugt und wies die Pläne des Kanzlers als verderblich für Preussens "Deutschlandpolitik" zurück[77]. "Preussen darf in dieser Krise nicht an territoriale Erweiterungen denken [schrieb er seinem Vater]. Damit würde es ganz Europa gegen sich aufbringen und vor allem seinen natürlichen Verbündeten Deutschland... Unter diesen Umständen scheint mir das einzig richtige Ziel für Preussen zu sein, für Deutschland das durchzusetzen, was in Deutschlands Interesse ist, mit anderen Worten, die Unabhängigkeit der Herzogtümer unter den Augustenburgern... Wenn Preussen in Übereinstimmung mit den Gefühlen der deutschen Nation handelt, wird es die Führung in Deutschland übernehmen können." [78]

Diese Ansicht änderte er auch nach dem siegreichen Ende des Kriegs gegen Dänemark nicht. Vertraute Berater wie Roggenbach und Duncker unterstützten Bismarck in seinem Bemühen, Österreich in einen Krieg über die beiden Herzogtümer zu manövrieren, in der Erkenntnis, dass das multinationale Habsburgische Kaisertum immer der deutschen Vereinigung im Wege stehen würde [79]. Friedrich Wilhelm hingegen widersprach weiterhin Bismarcks Politik [80]. Natürlich muss dieser Widerstand zum Teil der starken persönlichen Abneigung gegen den Ministerpräsidenten zugeschrieben werden, der sich kaum bemühte, seine Verachtung gegenüber dem Prinzen zu verbergen [81]. Er war aber auch durch die Überzeugung bestimmt, die von Victoria regelmäßig unterstützt wurde, daß die ursprüngliche liberale Strategie die einzig richtige war [82]. Wie schon früher ging Friedrich Wilhelm Bismarck aber lieber aus dem Wege als ihn herauszufordern [83].

Auch der Umstand, dass immer mehr Liberale nach einem Krieg gegen Österreich im Jahr 1865 oder 1866 riefen änderte seine Haltung nicht. "Der Kronprinz ist gegen den Krieg," notierte der Grossherzog von Baden im April 1866, "und gegen die gesetzlosen und illegalen inneren Bedingungen des Landes, auf die die Regierung ihre Aussenpolitik gründet. ... Sein Brief scheint mir fast zu weich, er zeugt von viel Depression und Hilflosigkeit." [84] Während manche der bittersten Opponenten Bismarcks auf dessen Seite übergingen, fühlte er sich schwach und isoliert. Dies traf sogar in noch größerem Maße zu als er dachte. Während er sich einzureden versuchte, "keine vernünftige Person in diesem Land will den Krieg," [85] schrieb Baumgarten an seinen Kollegen Sybel: "Wenn die Liberalen diese Gelegenheit ergreifen, das Gewicht der ganzen Nation auf Preussens Seite einzubringen, dann muss Preussen die Nation als Realität anerkennen. Wenn Bismarck mit der klaren Unterstützung der Kräfte des Volkes gewinnt, dann wird ein liberales Preussen der wirkliche Sieger sein." Dies war nicht der rechte Zeitpunkt um Bedingungen zu stellen. "Preussen kann es sich nicht erlauben, seinen Adel und sein Offizierskorps mit einer fortschrittlichen Politik zu beleidigen in einem Augenblick an dem beide in eine Krieg eintreten, der tatsächlich die Grundlage ihrer eigenen Politik missachtet." Es konnte niemals ein vereinigtes Deutschland geben ohne einen Krieg gegen Österreich. Eine liberale Regierung wäre aber kaum in der Lage, die Unterstützung für einen solchen Krieg von Dynastie, Adel und Militärpartei zu erhalten. "Sie dürfen in dieser Frage nicht vergessen, was geschieht, wenn der Kronprinz König wird. Wenn Preussen bis dahin seine Position in Deutschland noch nicht etabliert hat, dann Wehe uns!" [86]

Als der Krieg jedoch unmittelbar bevorstand fand sich Friedrich Wilhelm mit dem Unvermeidlichen ab. Wenn er ihn auch nicht anstrebte, brachte der Krieg doch die deutsche Einheit unter preussischer Führung in Griffweite. Von seinem neu entwickelten Enthusiasmus davongetragen, versuchte der Prinz sogar den Ministerpräsidenten zu überbieten. "Nun müssen wir den dreizehnten Trumpf ausspielen," erklärte er seinem Stabschef, "und uns zum Kaiser von Deutschland machen." [87]

Bismarck war natürlich nicht bereit so weit zu gehen und der Prinz musste sich mit den begrenzteren Zielen des Kanzlers abfinden. Diese unterstützte er dann aber mit ungewohnter Energie, selbst gegen den König, im Bewusstsein, diesmal den mächtigen Ministerpräsidenten auf seiner Seite zu haben. Während König und Generalstab nach der Niederlage Österreichs die Annektion von Teilen Böhmens durch Preussen forderten. stimmte er mit Bismarck überein, dass ein solcher Schritt Österreich zu einem immerwährenden Feind machen müsste und auch Frankreich zum Eingreifen bewegen könnte, mit der Konsequenz eines allgemeinen Kriegs in Mitteleuropa. In diesem Fall wäre die deutsche Vereinigung auf lange Zeit unmöglich geworden. Friedrich Wilhelm unterstützte auch die Idee, dem Landtag ein Entlastungsgesetz vorzulegen, durch das Bismarck rückwirkend alle seit 1862 erfolgten Ausgaben ohne parlamentatische Bewilligung sanktionieren lassen wollte [88].

Aber der Prinz verbündete sich nur widerwillig mit Biskmarck. Wiederholt bemerkte er in seinem Tagebuch, dass eine andere Strategie mindestens ebenso erfolgreich wie die von Bismarck eingeschlagene gewesen wäre [89]. Victoria, die in ihrer Opposition gegen die Methoden des Ministerpräsidenten nie geschwankt hatte, bestärkte seine Zweifel [90], ebenso wie einige seiner Berater. Diese waren auch ernsthaft in Sorge, dass der scheue und unentschlossene Prinz zu sehr unter den Einfluss Bismarcks geraten könnte [91].

Dies war eine sehr reale Gefahr. Von Bismarcks Erfolgen tief beeindruckt hatten viele liberale Führer ihren Frieden mit ihm gemacht. "Wie schön Bismark unsere Hoffnungen erfüllt," schrieb Baumgarten zu dieser Zeit. "Sicher, der Liberalismus hat verloren... Die Nation wendet sich von ihm ab. Aber das ist jetzt nicht wichtig. Erst einmal ein grosser Staat, alles andere kann warten." [92] Und einige Monate später schrieb er in den Preussischen Jahrbüchern: "Wir machen die noch nie dagewesene Erfahrung, dass unser [der liberalen Opposition] Sieg verhängnisvoll gewesen wäre, während unsere Niederlage äußerst wohltuend war." Er rief die Liberalen auf, sich mit der Regierung zu arrangieren. Für jemanden der glaubte, dass die liberale Idee dadurch Schaden nähme, könne er - Baumgarten - nur Mitleid empfinden. "Es wird Zeit, dass er aufhört, sich durch Illusionen über seine Stärke selbst aller Macht zu berauben." [93] "Die Zeit für Ideale ist vorüber," stimmte der liberale Führer Johannes Miquel zu. "Weniger als jemals zuvor sollten sich politische Führer fragen, was wünschenswert anstatt was machbar ist." [94]

Wenn einige von Bismarcks heftigsten Feinden bereit waren, so viel von dem aufzugeben, wofür sie einmal gekämpft hatten, konnte dann ein schwächerer Mann wie Friedrich Wilhelm einen unabhängigen Standpunkt behaupten? Tatsächlich war die Annäherung zwischen ihm und Bismarck nur kurzlebig. Bald entwickelten sich bei dem Prinzen neue Zweifel über die Klugheit von Bismarcks Politik. War der Kanzler nicht zu weit gegangen, als er Preussens Oberhoheit über den neugeschaffenen Norddeutschen Bund erzwang? Auf Anstoß Victorias, die von Anfang an gegen die Norddeutsche Verfassung gewesen war [95], begann er sich zu fragen, ob Preussen nun nicht zur größeren Zugeständnissen gegenüber den süddeutschen Staaten gezwungen sein würde, wenn es sie zum Beitritt zu der neuen Konföderation bewegen wollte [96]. Auch die schweren Fehler bei der Behandlung des früheren Königreichs Hannover, das von Preussen nach dem Krieg gegen Österreich annektiert worden war, schwächten das Vertrauen in Preussens Führung [97]. Friedrich Wilhelm wollte seine Chancen auf die Kaiserwürde nicht gefährden. Daher zog er sich erneut von der politischen Bühne zurück [98].

Der Französisch-Preussische Krieg im darauffolgenden Jahr zwang ihn wieder in den Vordergund der politischen Entwicklungen. Viele Jahre sahen in der Auseinandersetzung die lange herbeigesehnte Gelegenheit zur Vollendung der deutschen Einheit. Wie Eduard Lasker, einer der Führer der Nationalliberalen Partei, an Bismarck schrieb, betrachtete seine Partei die Einheit des Reichs als das vordringlichste Kriegsziel und wollte sofort eine Propagandakampagne in Süddeutschland beginnen, um dieses Ziel zu fördern [99]. Ludwig Bamberger, der gleichgesinnte Kollege Laskers, der mit Bismarck im preussischen Hauptquartier war, missdeutete die vorsichtigen Schritte des Kanzlers als Opposition gegen die deutsche Einheit. Er drängte den hessischen Minister Jacob Finger, Bismarck unter Druck von unten zu setzen "damit der Sieg der Nation nutzt." [100] Und Gustav Freytag schmiedete weitgespannte Pläne, um den Kronprinzen durch eine systematische Werbekampagne in Süddeutschland populär zu machen [101].

Friedrich Wilhelm teilte die Hoffnungen der Liberalen. Er füllte sein Tagebuch mit Forderungen und Vorhersagen der deutschen Vereinigung als Ergebnis des Krieges [102]. Die frühere Abneigung gegen gewalttätige Lösungen waren vergessen. Als Baron von Roggenbach vorschlug, dass Preussen zur ursprünglichen Strategie der "moralischen Eroberungen" zurückkehren solle, weil Süddeutschland noch nicht für die Vereinigung bereit sei antwortete der Kronprinz "wir können uns keineswegs damit begnügen, nur den Weg für neue Bemühungen zum deutschen Ziel nach dem Krieg zu bereiten." [103] Ähnliche Einwände Gustav Freytags wies er mit dem Hinweis zurück, dass Preussen mächtig genug sei, die Zustimmung der süddeutschen Herrscher wenn nötig zu erzwingen [104]. Er war überzeugt, dass das begehrte Ziel, die kaiserliche Krone auf das Haupt des Königs von Preussen zu setzen, nun in greifbare Nähe gerückt war. Darüber hinaus wusste er sich in seinen Hoffnungen und Wünschen in voller Übereinstimmung mit dem größeren Teil der Nation. Kein kleiner Prinz würde die Hohenzollern ihrer historischen Chance berauben [105].

Bismarck nahm diese Opposition hingegen ernster. Der Kanzler war gewillt, sein Lebenswerk nicht durch vorschnelle Handlungen zu gefährden. Wahrscheinlich war es auch sein Bestreben, wie sein Biograph Eyck meint, die Vereinigung durch die Fürsten, nicht durch das Volk, zustande zu bringen. Da er die tiefsitzende Abneigung der Könige von Bayern und Württemberg kannte, ging er langsam und bedächtig vor. Ungeduldig protestierte der Kronprinz gegen die vorsichtigen Manöver des Kanzlers. Zu einem Zeitpunkt, als der Widerstand Süddeutschlands unüberwindlich erschien, war er sogar bereit, die deutsche Einheit dem Glanz des kaiserlichen Titels zu opfern und forderte Bismarck auf, ohne Bayern und Württemberg voranzugehen [107]. Und als es bei einer anderen Gelegenheit so aussah, als ob Bismarck die Idee des deutschen Kaiserreichs zugunsten einer Konföderation aufgeben wollte, wünschte er dem Kanzler wütend "jede demokatische Bewegung, die sich gegen dumme Kabinette wendet, denn sie werden nur bekommen was sie verdienen." [108] "Der Kronprinz ist", bemerkte Bismarck, "der dümmste und eitelste Mensch, und eines Tages wird er am Kaiserwahn sterben." [109]

Zweifellos enthielt der Drang des Prinzen, seine liebsten verwirklicht zu sehen, ein Stück Eitelkeit. Aber sein Bestehen auf der Wiedererrichtung des Kaiserthrons war auch durch das Bestreben beseelt, die endgültige Erfüllung des uralten Wunsches nach Einheit in feierlicher Form zu gestalten. In Anbetracht der Gleichgültigkeit, die ihm im königlichen Gefolge in dieser Frage entgegenschlug, hielt er sich für den einzigen, der die Gefühle der Nation verstand und sich ernsthaft mit ihrer Zukunft befasste [110].

Anfang Dezember erklärte sich König Ludwig von Bayern endlich dazu bereit, seinen Staat in das vereinigte deutsche Reich einzubringen. Friedrich Wilhelm war überglücklich [111]. Doch bald zeichneten sich neue Wolken am Horizont ab. Wilhelm I. schien immer noch wenig von der Bedeutung der Kaiserwürde zu halten. Aus sentimentalen Gründen war der alte König nur äußerst widerwillig bereit, den neuen Titel anzunehmen. Wie sich der Prinz beklagte, hatte das zur Folge, dass sich niemand ausser ihm darum bemühte, der Würde der bevorstehenden Krönung gerecht zu werden und sich um Fragen der Zeremonien, neuen Titel, Wappen, und Nationalfarben zu kümmern [112]. Schlimmer noch, die Proklamation des Kaiserreichs wurde um mehrere Wochen verzögert, da Bismarck auf die formale Zustimmung Bayerns warten wollte. "Ich bin wirklich krank wegen dieses Mangels an Entschlossenheit, dem man überall begegnet. Was kümmern wir uns um Bayern mit seinem unberechenbaren König?" [113] Endlich wurde das Deutsche Kaiserreich am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles feierlich proklamiert.

Einige der Einträge in Friedrich Wilhelms Tagebuch aus dieser Zeit geben uns interessante Einblicke in sein politisches Denken. Die Pläne des Prinzen für die innere Organisation des Reichs verraten eine seltsame Mischung aus mittelalterlichem Romantizismus und der politischen Philosophie des englischen Liberalismus aus dem 19. Jahrhundert. Einige Einträge lassen vermuten, dass er in Bismarcks Schöpfung nur die Wiederbelebung des Heiligen Römischen Reichs sah. Andere diskutieren die Einführung von lokaler Selbstregierung und die Liberalisierung der Verwaltung der Lutherischen Kirche. Pläne für ein Oberhaus werden Seite an Seite mit Forderungen nach weitreichenden sozialen Reformen diskutiert. Seine Gedanken zu diesem Thema verraten das Dilemma eines Menschen, der größten Wert auf Autorität und Prestige legte, gleichzeitig aber auch für fortschrittlich gehalten werden wollte [114]. Seine wiederkehrenden Absichtserklärungen, liberale Reformen durchzuführen wenn seine Zeit gekommen sei, sind zwar mit vagen Klischees durchsetzt, klingen aber aufrichtig. Gleichzeitig vermitteln sie aber auch den Eindruck eines Mangels an klaren Zielen, den Eindruck momentaner von außen beeinflusster Eingebungen, anstelle gründlich durchdachter Pläne - eine Schwäche, die die Berater des Prinzen oft beklagen mussten [115].

Eine dieser Eintragungen, die sogenannte "Silvester-Betrachtung", am Silvestertag 1870 geschrieben, hat historische Berühmtheit erlangt. Friedrich Wilhelm äußert dabei seine Besorgnis, dass den Franzosen rasch die Sympathien der Welt zuwuchsen, während die Preussen als mutwillige Sieger gesehen wurden. Der Prinz schreibt diese unglückliche Entwicklung nicht nur Ereignissen des gegenwärtigen Kriegs zu, sondern sieht als tieferen Grund Bismarcks "Blut und Eisen" Politik. "Ich behaupte auch heute noch, dass Deutschland hätte 'moralisch erobert' werden können, ohne Blut und Eisen, und einig, frei und mächtig geworden wäre." Aber Bismarcks Intrigen schadeten der guten Sache in 1864 und bewirkten weiteres Unheil als er "im Jahr 1866 Österreich zerbrach" [was völlig unzutreffend ist]. Der Eintrag endet mit der Aussage "Es wird unsere edle und äußerst schwierige Aufgabe in der Zukunft sein, das liebe deutsche Vaterland von den unbegründeten Befürchtungen zu befreien, mit denen die Welt es heute betrachtet. Wir müssen zeigen, dass unsere neu erworbene Macht keine Gefahr sondern ein Segen für die Menschheit ist." [116]

Ein lobenswertes Ziel - ohne Zweifel aufrichtig gemeint. Aber wer den Prinzen kannte hätte sich wohl die Frage gestellt, ob er der Mann war, die Hindernisse zu überwinden, die seiner Verwirklichung im Wege standen.


III

Sollte Friedrich Wilhelm gehofft haben, im neuen Reich eine aktivere Rolle spielen zu können, so sah er sich getäuscht. Wieder wurde er in den Hintergrund gedrängt und verbrachte seine Tage mit Truppeninspektionen und Museumseröffnungen. In der verbleibenden Zeit konnte er davon träumen, was er dereinst als Kaiser tun werde, aber dieser Tag schien so weit entfernt wie je.

Tatsächlich behielt der Kronprinz seine Kontakte zu führenden Liberalen bei [117]. Aber der deutsche Liberalismus hatte den Elan verloren, mit dem er zehn Jahre früher die Nation inspiriert hatte. Das vordringlichste Ziel das er sich gestellt hatte, die deutsche Einheit, war von seinem Gegner Bismarck erreicht worden. Nach 1871 schien seine einstige Leidenschaft verflogen. Sybel drückte dieses allgemeine Gefühl in einem Brief an seinen Freund Baumgarten aus, in dem er schrieb, dass es nun nur noch wenig gab, wofür es sich zu leben lohnte, nachdem die Hoffnungen und Anstrengungen von zwanzig Jahren Realität geworden waren [118]. Tatsächlich war aber nur ein Teil des liberalen Programms erfüllt worden; der Sieg von Gesetz und Moral war noch lange nicht garantiert. Die Mehrheit, durch Bismarcks Macht und Erfolg geblendet, verriet die Ideale für die sie einst so tapfer gekämpft hatte.

Friedrich Wilhelm war es nie leicht geworden, seine liberalen Verbindungen aufrecht zu erhalten. Hof und Militär hatten sie stets abgelehnt und im Angesicht solcher Missbilligung hatte er immer ein starkes Gefühl hilfloser Isolation verspürt. Bei Gelegenheit hatte er durchaus den Mächtigen widerstanden, besonders als die liberale Bewegung so stark erschien, dass er glaubte, sie nicht ignorieren zu können. Jetzt war dies aber nicht mehr der Fall. Als der Prinz im Jahr 1879 den Berliner Bürgermeister Max von Forckenbeck fragte, ob es möglich sein werde, wieder eine starke liberale Partei zu schaffen, antwortete dieser ausweichend [119]. Es war nicht mehr sicher, dass eine liberale Regierung Rückhalt in der Nation haben würde. Auch verstarben im Lauf der Jahre viele der Männer, die Mitglieder einer fortschrittlicheren Regierung hätten werden können. Die Anzahl der geeigneten Kandidaten wurde immer kleiner [120]. Der wahre Liberalismus, so schien es, hatte keinen Platz mehr im neuen Staat.

Unter diesen Umständen hätte es sogar ein stärkerer Charakter als Friedrich Wilhelm kaum vermeiden können, einen konservativeren Kurs einzuschlagen. Von der Nationalliberalen Partei, der größten der liberalen Parteien, konnte er keine nennenswerte Unterstützung gegen Bismarck erwarten [121]. Die wenigen Liberalen, die nicht bereit waren ihren Frieden mit dem Kanzler zu machen, vertraten nur einen kleinen Teil der Nation. Da es niemanden mehr zu geben schien, der Bismarcks Stelle einnehmen konnte, musste sich der Kronprinz eingestehen, dass er als Kaiser nicht auf dessen Dienste würde verzichten können. In dieser Ansicht wurde er von einigen seiner vertrautesten Berater bestärkt, unter anderem vom Grossherzog Friedrich von Baden und von Karl von Normann, die beide keine Bewunderer des alten Kanzlers waren [122]. Um der Macht des Kaisers und des Kaiserreichs willen würde er gezwungen sein, seine Abneigung gegen Bismarck zu überwinden [123].

Dies führte dazu, dass sich der Prinz langsam von seinen liberalen Verbindungen zurückzog. Auch protestierte er nicht, als auf Bismarcks Vorschlag langjährige Berater und Helfer durch konservativer eingestellte Männer ersetzt wurden [124]. "Sie möchten etwas über die politischen Ansichten des Kronprinzen erfahren," schrieb im August 1884 der fortschrittliche Abgeordnete Karl Schrader an einen Parteigenossen. "Ich fürchte, dazu kann ich weniger sagen als früher, denn ich habe ihn und die Kronprinzessin seit langer Zeit nicht mehr getroffen. Sie sind sehr vorsichtig geworden mit Ihren Kontakten zu Liberalen; anscheinend wurde die Parole ausgegeben, alles zu vermeiden, was Bismarck stören könnte." Bismarcks überwältigende Macht wurde immer offensichtlicher, sowohl im Inland wie international. Dennoch glaubte Schrader, diese Änderung der Einstellung sei nicht sehr tiefreichend und er schrieb sie Zweckmäßigkeitserwägungen zu, nicht dem Wechsel der Überzeugung [125].

Aber nicht alle Liberalen waren bereit, sich Bismarcks Erfolg zu unterwerfen. Wenigstens einige von ihnen waren entschlossen, den Kampf für die volle Verwirklichung des Liberalen Programms weiterzuführen. Sie fanden sich damit ab, das dieses Programm nicht während der Lebenszeit Wilhelms I. durchgesetzt werden konnte, setzten ihre Hoffnung aber auf dessen Sohn. Friedrich Wilhelms Rückzug von seinen liberalen Kontakten ließ diese Hoffnungen nun schmelzen. Es war klar, das man vom künftigen Herrscher nicht die Unterstützung eines liberalen Programms erwarten konnte, wenn er nicht von dessen landesweiten Unterstützung überzeugt war. Um eine solche Unterstützung zu erreichen schlossen sich 103 Reichstagsabgeordnete im März 1884 zur neuen Deutsch-freisinnigen Partei zusammen [126].

Dem Vernehmen nach begrüßte der Kronprinz die Gründung der neuen Partei nachdrücklich [127]. Falls dies stimmte, so was es eine sinnlose Geste. Denn dies war nicht die Partei mit der er als Kaiser gearbeitet haben würde. Friedrich Wilhelms Liberalismus ging nie so weit dass er eine starkes Parlament akzeptiert hätte. "Er war etwas fortschrittlicher und toleranter als die Gruppen die gewöhnlich einen Prinzen und König umgeben," so der Historiker Hans Delbrück, der als Erzieher seiner Kinder den Prinzen zu dieser Zeit gut kannte, "aber im Grunde blieb er doch ein preussischer Offizier." [128] Obwohl Friedrich Wilhelm seine Vorstellungen über das Verhältnis zwischen Monarch und Parlament nie klar formulierte, so kann man doch verschiedenen Memoranden, die er Wilhelm I. im Lauf der Zeit schickte herauslesen, dass er niemals eine parlamentarisch kontrollierte Regierung befürwortete [129]. Auch wenn er gelegentlich von der Notwendigkeit einer verantwortlichen Regierung sprach [130], ist es in Anbetracht seiner Vorliebe für verschwommene Phrasen fragwürdig, ob er mit diesen Worten eine konkrete Vorstellung verband. Sein Biliothekar Dohme, mit dem er die parlamentarische Frage öfters diskutierte, nahm an, er sei bereit, dem Reichstag einige zeremonielle Zugeständnisse zu machen. Auch glaubte Dohme, dass er innerhalb gewisser Grenzen seine Politik im Rahmen einer informellen Zusammenarbeit mit dem Parlament an die vorherrschenden Strömungen im Land angepasst hätte. Aber überzeugt von der Notwendigkeit einer starken Monarchie hätte er laut Dohme niemals das letzte Entscheidungsrecht aufgegeben [131]. Das Programm der Freisinnigen verlangte jedoch die Ministerverantwortlichkeit vor dem Reichstag sowie die jährliche Kontrolle über die Staatseinnahmen und -ausgaben und die Größe der Armee durch den Reichstag. Keiner dieser Punkte war mit Friedrich Wilhelms Vorstellungen zur kaiserlichen Autorität und Militärgewalt vereinbar. "Niemals dürfen wir ein Parlamentsheer haben," war sein unerschütterlicher Grundsatz [132]. Die Peinlichkeit einer direkten Zurückweisung blieb ihm allerdings erspart. Bei den Reichstagswahlen im Herbst des Jahres erlitten die Freisinnigen eine entscheidenden Niederlage und verloren über ein Drittel ihrer Sitze. Offenbar war die Nation nicht bereit, sich von Bismarck zu trennen.

Und auch in den folgenden Jahren waren die Freisinnigen nicht in der Lage, ihre Unterstützung zu vergrößern. Drei Jahre später, 1887, erlitten sie eine noch schlimmere Niederlage und verloren nochmals die Hälfte ihrer verbliebenen Mandate. Die Partei, die bei ihrer Gründung noch durch 103 Abgeordnete im Reichstag vertreten war hatte nun nur noch 32 Vertreter, weniger als ein Drittel der ursprünglichen Mandate. "Das einzige Interesse von uns Freisinnigen besteht nun darin, für die Zukunft zu arbeiten," so versuchte die führende freisinnige Wochenzeitung Die Nation ihre Leser zu trösten. "Gegenwärtig können wir wenig bewirken. Dies kann sich aber von einem Tag zum nächsten ändern. Diese Änderung, so deutete der Leitartikel an, war zu erwarten, sobald Friedrich Wilhelm Kaiser werden würde [133]. Die Parteiführung teilte diese Zuversicht allerdings nicht. "Die neue Volksvertretung ist das wahre Abbild der deutschen Öffentlichkeit. Junker und katholische Kirche, die genau wissen, was sie wollen und ein Bürgertum von kindlicher Unschuld, politisch unreif und ohne Bedürfnis nach Gesetz oder Freiheit," schrieb Ludwig Bamberger. "Junker und katholische Kirche werden sich zusammenschließen und dem Bürgertum geben was es verdient. Il faut que les destins s'accomplissent. Der Kronprinz braucht keine Verlegenheit zu befürchten. Er wird tun was Bismarck will." [134] Und einige Wochen später notierte er in seinem Tagebuch: "[Der Geist des Nationalliberalismus], aufgeblasene Servilität, ist der Ausdruck der deutschen Mittelklasse, über die ... die traditionellen Herrscher, die Junker und Kleriker, erneut ihre Herrschaft bekräftigen. Der deutsche Parlamentarismus ist Episode geblieben." [135] Die Führer der Partei, die gegründet worden war, um Friedrich Wilhelms liberale Politik nach dessen Thronfolge zu unterstützen, wussten, dass sie unter den herrschenden Umständen nicht viel von ihm zu erwarten hatten.

Ihr Pessimismus wurde von den liberal gefärbten Beratern des Prinzen geteilt. Sie wurden zunehmend besorgt über seinen körperlichen und geistigen Niedergang. Seine Lebenskraft, so beklagten sie, hatte sich aufgerieben im nichtendenwollenden Warten auf den Moment der Übernahme der Verantwortung. Und was konnte er denn tun wenn dieser Tag schliesslich kommen sollte? "Mein Vater hat alles vorweggenommen," so klagte er einmal, "er lässt mir nichts zu tun übrig." [136] Ein Gefühl großer Vergeblichkeit überschattete Friedrich Wilhelms letzten Jahre; während er wartete hatte Bismarck Deutschland vereinigt und somit erreicht, was er als vornehmste Lebensaufgabe für sich erträumt hatte. Langsam verlor er seine Spannkraft und den Rest seiner geistigen Unabhängigkeit [137]. Sicher, die Kronprinzessin war unerschrocken wie immer, aber ihr Einfluß auf ihren Ehemann war nun durch dessen Abhängigkeit von Bismarck beschränkt [138]. Um ein Ventil zu finden befasste sich der Prinz zunehmend mit trivialen Fragen der Etikette und Zeremonie [139]. Ein Problem, das ihn besonders beschäftigte, war das Verhältnis des Kaisers zu den anderen deutschen Herrschern. Nach seinem Geschmack hatte Bismarck diesen im Jahr 1871 viel zu viel Macht überlassen und er beschäftigte sich mit Plänen, ihren Stellung von Gleichrangigen zu Untergeordneten zu machen. Wie er Vertrauten sagte, war er entschlossen, die "Könige von Napoleons Gnaden", Bayern, Württemberg und Sachsen, zu degradieren, wenn er erst einmal Kaiser war; sie würden sich mit dem Titel "Großherzog" oder "Kurfürst" abfinden müssen [140]. Zweifelsohne hätte er als Kaiser diese Pläne in Angesicht der Realität aufgegeben, aber sogar seine treuesten Anhänger hielten diese Beschäftigung für symptomatisch. Auch gelegentliche demonstrative Gesten in Richtung der Liberalen konnten deren Ängste nicht beschwichtigen. Sie waren zu planlos und oft auch taktlos und bewirkten daher wenig [141]. Dieses Gefühl kam in einem tragischen Brief zum Ausdruck, den Normann, der frühere Sekretär des Prinzen, am Neujahrstag 1886 an Gustav Freytag schrieb: "Man würde die Stunde von Friedrich Wilhelms Thronfolge, die einmal kommen muss, nicht immer wieder verschoben sehen wollen, wenn man sich sicher wäre, das der entscheidende Moment am entscheidenden Ort mit klaren Absichten und selbstbewusster Stärke ergriffen würde. Dass wir uns dessen nicht sicher sein können - das ist unser Unglück." [142]


IV

Als Friedrich Wilhelm schliesslich im März 1888 als Friedrich III. den Thon bestieg war er todkrank. Sein Tod war eine Sache von Monaten, wenn nicht Wochen. Seit fast einem Jahr hatte er an einer Krankheit gelitten, die Kehlkopfkrebs war oder sich zumindest dazu entwickelte. Um ihn vor dem Ersticken zu bewahren musste im Februar 1888 ein Luftröhrenschnitt vorgenommen werden. Infolge dieser Tracheotomie verlor der Prinz seine Stimme. In Angesicht des Todes, unfähig zu sprechen, von seinen alten liberalen Ratgebern getrennt, so wurde er schließlich Kaiser.

Wenn Friedrich Bismarck schon in seine gesunden Tagen für unentbehrlich gehalten hatte, so brauchte er ihn nun umso mehr. Sein Gesundheitszustand machte einen Wechsel der Politik undenkbar. Falls Bismarck noch Zweifel gehabt haben sollte, so konnte ihn die erste offizielle Proklamation des neuen Kaisers beruhigen. Dieser Text, der schon 1884 vorbereitet worden war, enthielt wenig wogegen der Kanzler Einwände haben konnte.

Da gab es eine Passage die verlangte "das verfassungsmäßige und gesetzliche System des Kaiserreichs und Preussens muss durch den Respekt der Nation gestärkt werden und in deren Moral Wurzeln fassen." [143] - womöglich eine Anspielung darauf, dass Friedrich eine Verletzung der Verfassung, wie sie Bismarck in Preussen in den 1860er Jahren vorgenommen hatte, nicht dulden würde. Aber Bismarck war sich sicher, dass Friedrich selbst als erster verfassungsmäßige Hindernisse außer Acht lassen würde, wenn seine Position und sein Prestige in Gefahr waren: "Dann wird er stur auf den Rechten der Krone beharren, dann wird er kein Iota nachgeben, dann wird es schwierig sein, ihn an extremen Maßnahmen zu hindern, um seine Position durchzusetzen." [144] Das auffallende Gewicht, das der Erlass auf die Rechte des Kaisers legte, für den er Respekt von den Staatsregierungen und vom Reichstag einforderte, bestätigte diesen Eindruck. Wie der Kanzler seinem Vertrauten Lucius von Ballhausen erklärte, fand der die Proklamation "so schön und angemessen", dass er ihre unveränderte Veröffentlichung anordnete. "Bismark", so notierte Ballhausen in seinem Tagebuch "sprach ganz 'con amore', wie ein Mann, dem eine große Sorge genommen wurde." [145]

Bismarcks Freude hatte seine Entsprechung in der tiefen Enttäuschung der Freisinnigen. Bei der Besprechung der Proklamation bemerkte Die Nation das Fehlen aller Versprechungen, dem Reichstag mehr Macht zu geben. Im offenkundigen Versuch die Leser zu beruhigen erklärte der Herausgeber, dass dies nicht der Fehler des Kaisers wäre. Nach dem Misserfolg der Freisinnigen bei den Wahlen waren seine Hände gebunden. "Manche Dinge können nicht von oben verordnet werden; die politische Freiheit gehört dazu - wir können sie nur durch harte Arbeit erringen." Die Betonung seiner Rechte durch den Kaiser, fuhr der Leitartikel fort, bedeutete keinen rechtlosen Reichstag; im Gegenteil konnte ein Reichstag der hohes Ansehen genießt den Kaiser viel wirkungsvoller unterstützen. "Niemand kann sagen, was erreicht werden wird." Friedrich hatte die Herzen seiner Untertanen erobert, "aber wer da liebt lässt sich leicht überzeugen. Wir Liberalen begrüßen das kaiserliche Programm als ein Versprechen, dass wir unter der Regierung Friedrichs III. der Nation in Einklang mit unserem Gewissen und unserer Überzeugung dienen dürfen." [146]

Die späteren Entwicklungen bestätigten diese Zweifel. Natürlich war es Friedrich unmögliche, die Initiative für irgendwelche Änderungen zu ergreifen. Auch war es ihm nicht möglich, seine Kontakte mit der Nationalliberalen oder Freisinnigen Partei zu erneuern. Dies wäre für ihn schon bei bester Gesundheit schwierig geworden, für einen Sterbenden war es unmöglich. Indem er die Drohung eines Rücktritts oder sogar einer Regentschaft über des Kaisers Kopf schweben liess, konnte Bismarck ihn mit Leichtigkeit von allen äußeren Einflüssen, die ihm missliebig waren fernhalten [147]. Kurz vor seinem Tod gelang es der Kaiserin allerdings, auf eigene Initative geheime Kontakte mit Ludwig Bamberger aufzunehmen, der ihr in einigen unbedeutenderen Punkten Ratschläge erteilte. Vielleicht war es auch Bamberger, der die Entlassung des unangenehmen preussischen Innenministers Robert von Puttkamer einfädelte [148]. Insgesamt konnten aber die hastig gekritzelten Notizen Bambergers, die Victoria über einen Zwischenträger erhielt, wenig gegen den Einfluss des Kanzlers bewirken, der die Bürokratie und einen großen Teil der Presse kontrollierte und fast immer direkten Zugang zu Friedrich hatte. Der Einfluss Viktorias auf den Kaiser war hingegen größer als wenn er gesund gewesen wäre. Sie stand zwischen ihm und der Außenwelt und konnte wegen seiner Schwäche, wenn auch nicht Bismarck und bestimmte andere hochrangige Amtsträger, so doch viele andere unwillkommene Besucher von ihm fernhalten. Unter diesen Umständen ist es vermutlich auf ihr Verlangen zurückzuführen, dass der Kaiser gewisse Gesten gegenüber den Liberalen machte, von denen ihn unter andern Umständen die Gegner der Kaiserin abgehalten hätten. Zum Beispiel bestand er aufeiner öffentlichen Anerkennung einiger früherer liberaler Berater. So wurden Orden verteilt an solch prominente Liberale wie Max von Forckenbeck, den Berliner Oberbürgermeister, und an Rudolf Virchow, den berühmten Mediziner. Auf Bismarck Ansinnen wurden diese Ehrungen aber so vorgenommen, dass sie keine politische Signalwirkung hatten [149]. Wenig Tage vor seinem Tod setzte der Kaiser auch den Rücktritt des Bismarck-Günstlings Puttkamer durch, der seine Stellung mehrfach dazu benutzt hatte, Wahlen zugunsten konservativer Kandidaten zu beeinflussen. Es ist allerdings nicht klar, ob Bismarck ernsthaft versuchte ihn zu halten. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass der Kanzler selbst Gründe dafür hatte Puttkamer loszuwerden aber, so ein Beobachter, "den Makel der Entlassung lieber dem Kaiser überliess" [150].


V

Wenn seine engsten Mitarbeiter keinesweg sicher waren, dass Friedrich III. ein wahrhaft liberaler Herrscher geworden wäre, woher kommt es dann, dass er im Gedächtnis von Millionen von Deutschen als der Vorkämpfer des fortschrittlichen Liberalismus verankert war, als der "Schwanenritter" des liberalen Bürgertums, wie Anna von Helmholtz, die Frau des berühmten Physikers, ihn einmal nannte? [151]

Die Antwort darauf hat zwei Aspekte. Nur recht wenige Menschen kannten Friedrich näher. In der Öffentlichkeit wurde seine Persönlichkeit nur in schmeichelhafter Weise diskutiert. Selbst die wenigen, die daran interessiert sein mochten, realistisch über ihn zu berichten, konnten ihr Wissen nicht in einer größeren Öffentlichkeit verbreiten. Daher wusste die Aussenwelt wenig über seine persönlichen Grenzen, seine Schwierigkeiten, seine Isolation am Hof, seine wirklichen Ansichten über Monarchie und Parlament. Das einzige, was die Menschen über seine politischen Ideen wussten war, dass er Bismarck und Wilhelm I. auf der Höhe der preussischen Verfassungskrise offen widersprochen hatte und dass er über lange Zeit mit vielen liberalen Führern in Kontakt gewesen war. Auch hatte seit 1884 die Freisinnige Partei, die sogenannte Kronprinzenpartei, angestrengt daran gearbeitet, diesen Eindruck zu stärken. Er wurde auch dadurch gestärkt, dass kurz nach seinem Tod sorgfältig ausgewählte Passagen aus seinem Kriegstagebuch von 1870-71 veröffentlicht wurden, die ihn als den Hauptbefürworter der deutschen Vereinigung am preussischen Hof erscheinen liessen und die, zumindest bei oberflächlicher Lektüre, den Eindruck erwecken konnten, er sei ein Mann mit progressiven Ideen gewesen [152].

Vielleicht noch wichtiger war die Tatsache, dass nach Friedrichs Tod der Versuch unternommen wurde, ihn zum Sammelpunkt der liberalen Bewegung zu machen. Im August 1888 schrieb der Freisinnige Abgeordnete Karl Schrader an seinen Kollegen Stauffenberg, dass sie der Nation einen grossen Dienst erweisen könnten, wenn sie Friedrich im Gedächtnis der Menschen lebendig erhielten nicht nur als militärischen Führer und edlen Dulder, sondern auch als einen Monarchen, der ein echter Herrscher des Volkes war, tief besorgt um das Wohl der Nation. "Eine bessere Zukunft, ausgehend vom Volke, muss auf ihm begründet werden und wir müssen dies ermöglichen, indem wir ihn im Geist der Nation lebendig erhalten." [153]

Dieser Vorschlag stiess auf Resonanz. Männer, die sich wenige Monate vorher gefragt hatten, was wohl von Friedrichs Herrschaft zu erwarten sei, liessen jetzt keinen Zweifel mehr zu. Friedrichs Schwächen, seine Scheu und Eitelkeit und insbesondere seine Abhängigkeit von Bismarck waren nun vergessen. Theodor Barth, der Herausgeber der Nation, der die tiefe Enttäuschung der Freisinnigen über den unentschlossenen Charakter von Friedrichs erster Proklamation zum Ausdruck gebracht hatte, ehrte ihn nun in Word und Schrift als standfesten Liberalen [154]. Ähnlich pries auch Karl Schrader Friedrichs Charakterfestigkeit, seine Energie, seine Beharrlichkeit [155].

Diese Worte fielen auf fruchtbaren Grund. Eine ganze Generation fühlte sich übergangen als Friedrich starb. Wilhelm II., voller Misstrauen gegenüber allem was auch nur entfernt liberal erschien, vermied jeden Kontakt sogar mit den eher konservativen Nationalliberalen. Seine Schnitzer und Indiskretionen, die seinem Vater nie passiert wären, ließen diesen in einem umso günstigeren Licht erscheinen. Als nach der Jahrhundertwende das Verlangen nach einer parlamentarischen Regierung in Deutschland anwuchs fand es sein Symbol in der Person Friedrichs III., an den man sich nur noch dunkel aus der zurückweichenden Vergangenheit erinnerte. In den Worten eines deutschen Historiker entwickelte sich eine Kaiser-Friedrich-Legende.

"Die alten Hoffnungen nach politischem und religiösem Liberalismus, die neue Romantik von 'Kaiser und Reich', die Versöhnung des monarchischen Prinzips mit Volksvertretung und Freiheit, und nicht zuletzt die westeuropäische Antithese von Geist und Kraft - all dies wurde von der Generation dieser Jahre, die in der deutschen Verfassungsentwicklung übergangen worden war, in die Figur des Kaiser Friedrich projiziert [156].

Als Friedrich seinem Vater im März 1888 nachfolgte schrieb Gustav Freytag seinem Freund Normann, es wäre für den Kronprinzen besser gewesen, wenn er seinen Vater nicht überlebt hätte; so wie er nun einmal war musste er viele Hoffnungen enttäuschen und Ernüchterung und Abneigung hervorrufen. Für Friedrichs postumen Ruhm war es vielleicht wirklich gut, dass seine Regierungszeit nur so kurz währte.

Fußnoten

[1] Unter denen, die Friedrich für einen wahren Liberalen halten, erwähnen wir Martin Philippson, Das Leben Kaiser Friedrichs III. (Wiesbaden, 1908); Eugen Wolbe, Kaiser Friedrich: Die Tragödie des Übergangenen (Hellerau, 1931); Werner Richter,Kaiser Friedrich III. (Zürich, 1938); Paul Matter, Bismarck et son temps (Paris, 1905-1908), III, 547, siehe aber auch II, 477; William Harbutt Dawson, The German Empire (London, 1919), II, 218ff.; Johannes Zickursch, Politische Geschichte des neuen Kaiserreichs (Frankfurt am Main, 1925-30), II, 415ff.; Julius Heyderhoff, Hrsg., Deutscher Liberalismus im Zeitalter Bismarcks (Bonn und Leipzig, 1925), I, 10-11; Erich Eyck, Bismarck: Leben und Werk (Erlenbach-Zürich, 1941-44), III, 500-507; George N. Shuster und Arnold Bergstraesser, Germany: A Short History (New York, 1944), p. 100; Veit Valentin, The German People: Their History and Civilization from the Holy Roman Empire to the Third Reich (New York, 1946), p. 502.
Sein Liberalismus wurde in Zweifel gezogen von Wilhelm Mommsen, Politische Geschichte von Bismarck bis zur Gegenwart (Frankfurt am Main, 1935), pp. 98-99; und Artur Rosenberg The Birth of the German Republic (New York, 1931), p. 34.
Die Frage wird gestellt aber nicht beantwortet in R. Holtzmann, Hrsg., Gebhardts Handbuch der deutschen Geschichte (Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1931) II, 566.
[2] Königin Augusta von Preussen, Bekenntnisse an eine Freundin (Dresden, 1935), p. 165.
[3] Ibid., p. 251; Margarethe von Poschinger, Kaiser Friedrich (Berlin, 1899-1900), I, 429-30. Friederich überwand die Furcht vor seinem Vater niemals, Marie von Bunsen, Lost Courts of Europe (New York and London, 1930), p. 212.
[4] Poschinger, I, 62; Prinz Albert an Prinzessin Augusta, 9. Mrz. und 16. Mai 1858; Kurt Jagow, Hrsg., Letters of the Prince Consort (London, 1938), pp. 296, 302.
[5] E. Ribbeck, "Eine Knabenfreundschaft Kaiser Friedrichs III.," Deutsche Rundschau, CXIII (1902), 202; Otto von Bismarck zu seiner Frau, 12. Sept. 1849, Otto von Bismarck, Die gesammelten Werke, Hrsg. Wolfgang Windelband und Werner Frauendienst (Berlin, 1923-33), XIV, 1, 141; Aus dem Leben Theodor von Bernhardis (Leipzig, 1893-95), II, 243.
[6] Kaiser Friedrich III., Tagebücher von 1848-1866, Hrsg. Heinrich Otto Meisner (Leipzig, 1929), 18. und 21. März 1848, pp., 7, 28; Ribbeck, in Deutsche Rundschau, p. 209; Major General von Unruh an Friedrich Wilhelm, 20. März 1852, Poschinger, I, 129; Leopold von Gerlach, Denkwürdigkeiten (Berlin, 1891-92), I, 615.
[7] Robert Dohme, "Erinnerungen an Kaiser Friedrich," Deutsche Revue, XLVII (1922), 1, 121; Hans Delbrück, Erinnerungen, Aufsätze und Reden (Berlin, 1902), pp. 75-76.
[8] Tagebücher, 28. Sept. 6. Nov., 15. Dez 1863, pp. 215, 220, 227; Dohme, in Deutsche Revue, pp. 7-8, 123.
[9] Bernhardi, II, 242 330, 355, 375.
[10] Augusta, p. 251. (Ohne Datum.)
[11] Bernhardi, II, 342, 345; Poschinger, I, 199-201; Memoirs of Ernest II, Duke of Saxe-Coburg-Gotha (London, 1888-90), II, 345-47, III, 223-24; Albert an Ernst, 22. Apr. 1858, H. Bolitho, Hrsg., The Prince and His Borther: 200 New Letters (New York, 1934), pp. 183-184
[12] Johann Gustav Droysen and Wilhelm Arendt, 16. Dez. 1859, Joahnn Gustav Droysen, Briefwechsel, Hrsg. v. Rudolf Hübner (Berlin und Leipzig, 1929), II, 651; Albert an Ernst, 12. Juli 1861, Bolitho, p. 214.
[13] Bernhardi, III, 5.
[14] Erich Brandenburg, Hrsg., Briefe Kaiser Wilhelms des Ersten (Leipzig, 1911), pp. 132ff.
[15] Karl Francke an Max Duncker, Karl Mathy an denselben, 24. Nov. 1858, Max Duncker, Politischer Briefwechsel aus seinem Nachlass, hrsg. von Johannes Schultze (Stuttgart und Berlin, 1923), pp. 77-79; Großherzog Friedrich von Baden an Wilhelm, 10. Nov. 1858, Hermann Oncken, Hrsg., Großherzog Friedrich I. von Baden und die deutsche Politik von 1854-1871: Briefwechsel, Denkschriften, Tagebücher (Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1927), I, 76-77; Gebhardt, II, 387
[16] Hansgeorg Schroth, "Welt- und Staatsideen des deutschen Liberalismus in der Zeit der Einheits- und Freiheitskämpfe 1859-1866," Historische Studien, CCI (1931), 85ff.; Otto Westphal, Welt- und Staatsauffassung des deutschen Liberalismus (München und Berlin, 1919), pp. 255ff.; Heyderhoff, I, 5; Wilhelm Schaffrath und Julius Freese and Karl Twesten, 1. urn 5. Okt. 1865, ibid, I, 257-59
[17] Tagebücher, p. xxii.
[18] Ibid., 26. Jan. 161, p. 80.
[19] Ibid., 20. Juli, 19. Sept. 1862, pp. 151, 160.
[20] Bernhardi, III, 228; Tagebücher, 16. März 1860, p. 295. Die Junker selbst scheinen den Liberalismus des Prinzen zu dieser Zeit nicht besonders ernst genommen zu haben. Anfang 1860 hörte Bernhardi von dem Plan, Wilhelm zum Thronverzicht zu zwingen, damit er den Liberalen nicht weitere Zugeständnisse mache. Friedrich Wilhelm sollte ihm nachfolgen und die Verfassung suspendieren. Bernhardi, III, 289, 293.
[21] Brief vom 28. Sept. 1862, Tagebücher, p. 503.
[22] Ludof Parisiu, Leopold Freiherr von Hoverbeck (Berlin, 1897), II, 1, 44-45.
[23] Tagebücher, 10. Juli, 19. Sept. 1962, pp. 151, 160.
[24] Parisius, II, 1, 22.
[25] Tagebücher, 11. Apr., 10. Juli 1862, pp. 134-135; Bernhardi, IV, 338, Max Duncker an Ernst von Stockmar, 21. Sept. 1862, Duncker, p. 335; Matter, II, 94.
[26] Poschinger, II, 283-84; Heinrich Otto Meisner, Der preussische Kronprinz im Verfassungskampf 1863 (Berlin, 1931), p. 50; Dohme, in Deutsche Revue, pp. 128-29.
[27] Delbrück, pp. 75-76.
[28] Brief an Staatsrat Karl Francke, 13. März 1862, Duncker, p. 324; Rudolf Haym, Das Leben Max Dunckers (Berlin, 1891), pp. 267-74
[29] Brief vom 4. Nov. 1861 an Wilhelm I., Tagebücher, pp. 488-91.
[30] Philippson, pp. 103-104.
[31] Tagebücher, pp. 159-60.
[32] Ibid., p. 160.
[33] Parisius, II, 1, 79.
[34] Tagebücher, 23. Sept. 1862, p. 161.
[35] Duncker an Droysen, 21. Okt. 1862, Droysen, II, 801; Bernhardi, IV, 326; Haym, pp. 277-78.
[36] Karl Samwer an Gustav Freytag, 28. Feb. 1863, Heyderhoff, I, 133.
[37] An Herzog Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha, 9. Feb. 1863, zitiert in Fritz Kämpf, Gustav Freytag und das Kronprinzenpaar Friedrich Wilhelm (Dissertation, Universität Leipzig, 1932), p. 23.
[38] Freytag an Mathy, 3. März 1863, Heyderhoff I, 133; siehe auch Fußnote 47.
[39] 22. Mai 1963, ibid., I, 151.
[40] Haym, pp. 288-91.
[41] 3. März 1863, Heyderhoff, I, 133; siehe auch Samwer an Freytag, 5. Apr. 1863, ibid., I, 143.
[42] Samwer an Freytag, 28. Feb. 1863, ibid., I, 133.
[43] Tagebücher, 9. Apr. 1863, p. 193.
[44] 20. Mai 1863, Oncken, I, 344.
[45] 29. Mai 1863, ibid., I, 346.
[46] Die juristische Basis für den Erlass wurde in Artikel 63 der preussischen Verfassung von 1850 gefunden, die den König ermächtigte, Erlasse mit der Kraft förmlicher Gesetze herauszugeben wenn die öffentliche Sicherheit in Gefahr war und der Landtag nicht schnell genug handeln konnte. Solch eine Gefahr bestand jedoch zu diesem Zeitpunkt nicht. Pläne, Großherzog Friedrich von Baden zum preussischen König zu machen wurden zirkuliert aber nicht ernst genommen. "In Preussen werden sie niemanden finden," schrieb Sybel an Baumgarten im Juni 1863, "der jeden Gedanken an Gewalt nicht für dumm und kriminell hielte, denn so etwas würde mit Sicherheit sofort unterdrückt werden." 17. Juni 1863, Heyderhoff, I, 156; auch I, 20; Ludwig Bergstraesser, "Kritische Studien zur Konfliktszeit", Historische Vierteljahrszeitschrift, XIX (1919-20), 368 ff.
[48] Tagebücher, 3. Juni 1863, pp. 197-98
[49] Victoria an Queen Victoria, 8. Juni 1863, Sir Frederick Ponsonby, Hrsg., Letters of Empress Frederick (London, 1928), p. 41; Matter, II, 127.
[50] Tagebücher, 4. Juni 1863, p. 198.
[51] 8. Juni 1863, Ponsonby, loc. cit.
[52] Friedrich Wilhelm an Duncker, 10-14. Juni 1863, Duncker, pp. 348-49; auch Dunckers Brief an ihn, 5. Juni 1863, Meisner, pp. 71-73; Haym, p. 294.
[53] Dieser Teil der Rede ist abgedruckt in Meisner, p. 73, nach der 'gemilderten' Version der Leipziger Deutsche Allgemeine Zeitung, 8. Juli 1863. Preussische Zeitungen konnten die Ansprache wegen des Pressedekrets nicht veröffentlichen.
[54] Zusätzlich zur vorigen Referenz, siehe Tagebücher, 6. und 7. Juni 1863, pp. 198-99; Friedrich Wilhelm an Wilhelm I., 7. Juni 1863, Meisner, pp. 74-75; Duncker an August von Saucken, 61. Juni 1863, Duncker, p. 353; Denkwürdigkeiten des Botschafters General von Schweinitz (Berlin, 1927), I, 154-55.
[55] Tagebücher, 5. und 6. Juni 1863, pp. 198-99.
[56] 8. Juni 1863, Ponsonby, pp. 41-42; an Königin Augusta, 11. Juni 1863, Meisner, pp. 81-82.
[57] 21. Juni 1863, Ponsonby, pp. 43-44. Das Datum ist falsch. Da der Brief erwähnt, dass der König noch nicht endgültig über den Danziger Vorfall entschieden hatte, muss er am oder vor dem 11. Juni geschrieben worden sein. Tagebücher, 11. Juni 1863, p. 200.
[58] 7. Juni 1863, Meisner, pp. 74-75. Friedrich Wilhelm spielt hier auf Wilhelms bitteren Widerstand gegen die Zugeständnisse König Friedrich Wilhelms IV. gegenüber den Revolutionären von 1848 in der Frühphase des Aufstands an - ein Widerstand, der ihn ins vorübergehende Exil nach England zwang.
[59] Meisner, pp. 75-79; Tagebücher, 11. Juni 1863, p. 200.
[60] Oncken, I, 350.
[61] Karl Vincke-Olbendorf an Duncker, 9. Juni 1863, Duncker, p. 347. Friedrich Wilhelm erklärte in seinem oben zitierten Brief an Friedrich von Baden daß er den Ausdruck "Überraschung" benutzt habe "um zu dokumentieren dass ich vollständig ex nexu gelassen wurde; der Ausdruck 'Überraschung' bezieht sich nicht auf den Konflikt, der schon seit langem bestanden hatte." Andererseits informierte Victoria ihre Mutter: "Seine Rede sollte in klarer und unzweideutiger Sprache seinen Hörern mitteilen, dass er nichts mit der ungesetzmäßígen Handlungsweise der Regierung zu tun habe - dass er nicht einmal wusste, dass eine solche in Betracht gezogen wurde!", 21. (?) Juni 1863, Ponsonby, p. 43.
[63] Roggenbach an Friedrich von Baden, 12. Juni 1863, Oncken, I, 348.
[64] Mathy an Freytag, 17-19. Juni 1863, Heyderhoff, I, 157; Kurt von Saucken-Tarputschen an Ludolf Parisius, Sommer 1863, Parisius, II, 1, 168; Samwer an Stockmar, 4. Sept. 1863, Meisner, pp. 148-49.
[65] Mathy, loc. cit.; Hermann Schulze-Delitzsch an Freytag, 12-14. Juli 1863, Heyderhoff, I, 161; Heym, pp. 301, 307.
[66] 30. Juni 1863, Ponsonby, pp. 46-47.
[67] Tagebücher, 11. und 12. August 1863, pp. 208-209.
[68] Ibid., 24. Aug. 1863, p. 212.
[69] Friedrich Wilhelm an Königin Augusta, 19. Okt. 1863, Meisner, pp. 168-69.
[70] Königin Augusta, Tagebucheinträge in 1838, 1856, 1865, pp. 128, 239, 247; Dohme, in Deutsche Revue, p. 126; Gustav Freytag, Der Kronprinz und die deutsche Kaiserkrone (Berlin, 1889), pp. 28-29; Philippson, p. 258. Siehe auch die aufschlussreichen Einträge in seinem Tagebuch am 4. Apr. und 18. Okt. 1861, Tagebücher, pp. 88, 112-14.
[71] Tagebücher, 9. Aug. 1861, p. 106.
[72] Ibid., 23. und 25. Aug. 1863, pp. 211, 212; Eyck, I, 519-20.
[73] Ibid., Memorandum vom März 1860, pp. 485-86. Für den Gesichtspunkt der Liberalen, siehe Preussische Jahrbücher, X (1862), 415. Gelegentliche Äußerungen, die den Einsatz von Gewalt nicht ausschlossen, waren anscheinend auf emotionale Ausbrüche zurückzuführen, nicht auf rationale Überlegungen. Tagebücher, 11. Mai, 23. Juni 1862, 6. Juli, 16. Aug. 1863, pp. 138, 147-48, 206, 210; Bernhardi, III, 299-300.
[74] Tagebücher, 24. Aug., 1. Sept. 1863, p. 212.
[75] Ibid., 17., 29. Nov, 2. Dez. 1863, 3. Jan. 1864, pp. 222-23, 225-26, 238.
[76] Eyck, I, 557.
[77] Tagebücher, 28. Dez. 1863, pp. 229-30.
[78] Memorandum, 3. Jan. 1864, ibid., pp. 522-24.
[79] Haym, pp. 376-77; Ernst Schröfer, "Karl von Normann", Pommersche Lebensbilder (Stettin, 1939), III, 330-31
[80] Tagebücher, 26. Dez. 1864, 17. Jan. 1865, pp. 381, 383; Parisius, II, 2, 43; Rudolf Haym an Wilhelm Schrader, 1. Juli 1865, Hans Rosenberg, Hrsg., Ausgewählter Briefwechsel Rudolf Hayms (Berlin und Leipzig, 1930), p. 237.
[81] Tagebücher, 8. Jan. 1863, 16. Feb. 1866, pp. 182-83, 411.
[82] Ibid., 8. Jan 1863, 27. Feb., 26. März 1864, pp. 182-83, 273, 306; Dohme, in Deutsche Revue, p. 128-29; Victoria an Queen Victoria, 4. Apr. 1866, Ponsonby, pp. 58-59.
[83] Albrecht von Stosch an von Holtzendorff, 3. Dez. 1864, Denkwürdigkeiten des Generals und Admirals Albrecht von Stosch (Stuttgart und Berlin, 1904), p. 58.
[84] An Gelzer, 2. Apr. 1866, Oncken, I, 498; auch Sybel an Baumgarten, 2. Juni 1864, Heyderhoff, I, 300.
[85] Tagebücher, 20. Mai 1866, p. 422.
[86] 11. May 1866, Heyderhoff, I, 283; auch Haym an Schrader, 16. Mai 1866, ibid., pp. 285-86; Sybel an Baumgarten, 2. Juni 1866, ibid., p. 300.
[87] Journals of Field-Marshal Count von Blumenthal for 1866 and 1870-71 (London, 1903), p. 22
[88] Tagebücher, 8., 24. Juli 1866, pp. 457-58, 471-72; Ernst von Sachsen-Coburg-Gotha, IV, 299-301; Stosch an Normann, 17. Juli 1866, Stosch, p. 103.
[89] 8., 27. Juli 1866, pp. 457-58, 475-76; Parisius, II, 2, 129.
[90] Victoria an Queen Victoria, 4. Apr., 27. Juli 1866, Ponsonby, pp. 58-59, 66; Stosch and seine Frau, 13. Juli 1866, Stosch, p. 107; Freytag an Solomn Hirzel, 15. Sept. 1866, Kämpf, p. 22.
[91] Normann an Stosch, 15. Juni 1870, Kämpf, p. 49; Schröder, pp. 332-33.
[92] An Sybel, 23. Juni 1866, Heyderhoff, I, 315.
[93] "Der deutsche Liberalismus", Preussische Jahrbücher, XVIII (1866), 625, 627; siehe auch Eyck, II, 244-45, 298-304.
[94] Hermann Oncken, Hrsg., Rudolf von Benningsen: Ein deutscher liberaler Politiker (Stuttgart und Berlin, 1910), II, 11; auch Benningsen an seine Frau, 10. April 1867, ibid., II, 61.
[95] Parisius, II, 2, 170.
[96] Martin Philippson, Max von Forckenbeck (Leipzig, 1898), p. 169; Memoirs of Prince Chlodwig of Hohenlohe-Schillinsfuerst (New York, 1906), I, 281; Baumgarten an Duncker, 12. Nov. 1867, Duncker, p. 441; Wilhelm Wehrenpfennig an Heinrich von Treitschke, 4. Apr. 1869, Heyderhoff, I, 441.
[97] Friedrich Wilhelm an Bismarck, 1. und 2. Aug. 1867, Oncken, Benningsen, II, 93-94
[98] Schweinitz, I, 245; Freytag and Frau von Stosch, 12. Dez. 1869, Hans F. Helmolt, Hrsg., Gustav Freytags Briefe an Albrecht von Stosch (Stuttgart und Berlin, 1913), p. 55; Friedrich von Baden an Gelzer, 5. Apr. 1869, Oncken, Großherzog Friedrich, II, 120-21.
[99] 17. Aug. 1870, "Aus Eduard Laskers Nachlass," Deutsche Revue, XVII (1892), 2, 47ff.
[100] Ibid., p. 59. Finger erklärte später, mit dem "Nutzen für die Nation" habe Bamberger hauptsächlich die deutsche Einheit gemeint, während das Problem der politischen Rechte für ihn von untergeordneter Bedeutung war, ibid. Wieder einmal stellen die deutschen Liberalen die Einheit über die Freiheit. Siehe auch Lasker an Marquard Barth, 24. Sept. 1870, ibid., p. 185.
[101] An Normann, 18. Juli 1870, Vossische Zeitung (Berlin), 14. Aug. 1927. Um die Bedeutung zu würdigen, die Freytag seinem Plan beimaß, muss man sich vergegenwärtigen, dass Wilhelm I. über siebzig war; Friedrich Wilhelms Thronfolge schien daher nahe.
[102] Kaiser Friedrich III, Kriegstagebuch 1870-71 (Berlin und Leipzig, 1926), 17. Juli, 7. Aug. 9. Sept. 1870, pp. 6, 44, 103; auch Ernst Feder, Hrsg., Bismarcks grosses Spiel: Die geheimen Tagebücher Ludwig Bambergers (Frankfurt am Main, 1932), 20. Aug. 1870, p. 170.
[103] Kriegstagebuch, 7. Aug. 1870, p. 44.
[104] Freytag, p. 22.
[105] Kriegstagebuch, 26. Juli, 13. Okt, 4. Nov. 1870, pp. 10, 164, 200; Freytag, pp. 27, 74-78; Dohme in Deutsche Revue, p. 118; Philippson, Kaiser Friedrich, p. 258; Denkwürdigkeiten des General-Feldmarschalls Alfred Grafen von Waldersee (Stuttgart und Berlin, 1922-23), I, 116.
[106] Eyck, II, 545.
[107] Bamberger, 19. Nov. 1870, Feder, p. 224; Kriegstagebuch, 9. Dez. 1870, p. 265; Dohme, in Deutsche Revue, p. 118.
[108] Kriegstagebuch, 2. Nov. 1870, p. 197.
[109] Bamberger, 5. Dez. 1870, Feder, p. 244.
[110] Kriegstagebuch, Einleitung, p. xxvii, 30. Sept., 2. Nov., 9. und 19. Dez. 1870, pp. 146, 197, 265, 285. Als typisches Beispiel für das allgemeine Desinteresse an der Schaffung eines neuen Kaiserreichs in hohen preussischen Kreisen siehe das Tagebuch des Stabschefs des Prinzen, Graf Blumenthal, Journals, 16. Nov., 5. Dez. 1870, 17. und 18. Jan. 1871, pp. 192, 216, 280, 281.
[111] Kriegstagebuch, 3. Dez. 1870, p. 253.
[112] Ibid., 9., 19., Dez. 1870, 17. Jan. 1871, pp. 265, 284, 334.
[113] Ibid., 31. Dez. 1870, p. 300.
[114] Ibid., 18. Dez. 1870, 23. Feb., 7. März 1871, pp. 282-83, 394, 415.
[115] Stosch an Freytag, 11. Feb. 1870, Stosch, p. 180; Geffcken an Stosch, 27. Juni 1870, ibid., p. 185; Normann an Freytag, 1. Jan. 1886, Paul Wentzke, Hrsg., Deutscher Liberalismus im Zeitalter Bismarcks (Bonn und Leipzig, 1926), II, 424; Waldersee, I, 239-40; Freytag, Der Kronprinz, pp. 74-75.
[116] 31. Dez 1870, pp. 302-303.
[117] Philippson, Forckenbeck, pp. 221, 304; Poschinger, III, 253.
[118] 27. Jan. 1871, Heyerhoff, I, 494. Sybels Haltung ist umso bemerkenswerter als ihn sechs Jahre früher Bismarcks Methoden noch ernsthaft bedrückten. Brief an Droysen, 19. Juni 1864, ibid., I, 228.
[119] Bamberger, 30. Dez. 1879, Feder, pp. 331-32; auch Oncken, Bennigsen, II, 425.
[120] Ibid., II, 437; Dohme, in Deutsche Revue, pp. 7, 120; Schweinitz, II, 134-35; Haym an Treitschke, 28. März 1874, Haym, p. 288.
[121] Bamberger, loc. cit.; Waldersee, I, 239-40.
[122] Tagebuch, 25. Nov., 15. Dez. 1870, Oncken, Großherzog Friedrich, II, 202, 252; Normann an Freytag, 6. Juli 1873, Wentzke, II, 82-83; Delbrück, p. 73.
[123] Bismarck scheint seit 1870 erwartet zu haben, dass ihn Friedrich Wilhelm als Kanzler behalten würde; Moritz Busch, Bismarck: Some Secret Pages of His History (New York, 1898), I, 103-104; 349, II, 217, 332-33, 386-87; Bismarck an Emil von Albedyll, 16. Juli 1885, Bismarck, Die Gesammelten Werke, XIV, 2, 963-64; Bismarck-Erinnerungen des Staatsministers Freiherrn Lucius von Ballhausen (Stuttgart und Berlin, 1921), pp. 324, 328, 396. Gelegentliche gegenteilige Äußerungen (Ballhausen, pp. 359-60; Busch, II, 325; Ziekursch, II, 415) brachten anscheinend nur vorübergehende Irritationen zum Ausdruck, keine durchdachten Entscheidungen.
[124] Waldersee, I, 286-87; Schweinitz, II, 312; Freytag, Der Kronprinz, pp, 72-73.
[125] An Franz von Stauffenberg, 21. Aug. 1884, Wentzke, II, 417-18.
[126] Politisches Handbuch der Nationalliberalen Partei (Berlin, 1907), pp. 358-59; Oncken, Bennigsen, II, 452, 512-13; Die Grenzboten, No. 13, 1884, p. 668; Felix Rachfahl, "Eugen Richter und der Linksliberalismus im Neuen Reiche," Zeitschrift für Politik, V (1911-12), 324, 326, 332; Oscar Stillich, Die politischen Parteien in Deutschland (Leipzig, 1911), II, 304.
[127] Rachfahl, op. cit., p. 332; Politisches Handbuch, p. 358; Philippson, Forckenbeck, p. 353.
[128] Delbrück, pp. 75-76.
[129] Meisner, pp. 48-50.
[130] Kriegstagebuch, 18. Okt. 1870, pp. 170-71; 27. Okt 1870, p. 186.
[131] Dohme, in Deutsche Revue, pp. 128-29.
[132] Delbrück, p. 76; Schrader an Stauffenberg, loc. cit.; Philippson, Kaiser Friedrich, p. 305; Ziekursch, II, 418.
[133] Theodor Barth, "Der neue Reichstag," Die Nation, 26. Feb. 1887, p. 323.
[134] An Franz von Stauffenberg, 25. Feb. 1887, Wentzke, II, 429; auch Schrader an denselben, 9. Apr. 1887, ibid., II, 434.
[135] 8. Juni 1887, Feder, p. 339.
[136] Dohme, in Deutsche Revue, p. 125.
[137] Normann an Freytag, 20. Jan. 1882, Wentzke, I, 391; Freytag an Stosch, 8. Nov. 1883, 2. Sept. 1885, 13. Mai 1886, Helmolt, pp. 145, 165, 176.
[138] Bamberger, 2. März 1884, Feder, pp. 276-79; Victoria an Henriette Schrader, 2. Nov. und 15. Dez. 1887, ibid., pp. 502-504.
[139] Freytag an Stosch, 13. Nov. 1886, Helmolt, p. 176; Dohme, in Deutsche Revue, pp. 128-29; Waldersee, I, 322.
[140] Philipp zu Eulenburg-Hertefeld, Aus fünfzig Jahren (n.p., 1923), pp. 143, 178; Waldersee, I, 211; Prinz Wilhelm an Bismarck, 29. Nov. 1887, Bismarck Die Gesammelten Werke, XV, 464-65; auch Friedrich Wilhelm an Bismarck, 17. Aug. 1881, ibid., XV, 569.
[141] Busch, II, 331-32; Bamberger, 2.März 1884, Feder, pp. 276-81; Ellen von Siemens-Helmholtz, Hrsg., Anna von Helmholtz: Ein Lebensbild in Briefen (Berlin, 1929), I, 262.
[142] Wentzke, II, 424.29. Nov. 1887, Bismarck, Die Gesammelten Werke, XV, 464-65,;
[143] Schulthess' Europäischer Geschichtskalender, 1888, p. 60.
[144] Poschinger, III, 321; Bismarck, Ges. Werke, IX, 248, 333; Hohenlohe, II, 411.
[145] 13. März 1888, p. 433. Ballhausens Bemerkungs deutet an, dass Bismarck sich über Friedrichs Haltung nicht ganz sicher gewesen war.
[146] "Das Regierungsprogramm des Kaiser Friedrich," Die Mation, 17. März 1888, p. 346. Die freisinnige Berliner Volkszeitung brachte dieselbe Enttäuschung zum Ausdruck, Die Grenzboten, Juli 1888, No. 29, p. 100.
[147] Victoria an Queen Victoria, 8. Juni 1888, Ponsonby, pp. 312-14; Bamberger, 14. und 16. Mai 1888, Feder, pp. 356-68.
[148] Ibid., pp. 374-91.
[149] Ballhausen, p. 453; Ziekursch, II, 420. Die Liberalen selbst maßen diesen Ehrungen wenig Gewicht bei. Vielleicht etwas unfair hielt sie Bamberger für törichte Gesten, die der Kaiser viel zu ernst nahm. Bamberger an Stauffenberg, 3. und 13. Mai 1888, Wentzke, II, 440, 441.
[150] Hohenlohe, II, 402; Victoria an Queen Victoria, 5. Apr. 1889, Feder, p. 437; dielben, 19. Juli 1889, Ponsonby, p. 383; Kaiser Wilhelm II, Ereignisse und Gestalten aus den Jahren 1879-1918 (Leipzig und Berlin, 1922), p. 156.
[151] Siemens-Helmholtz, I, 309.
[152] "Aus Kaiser Friedrich's Tagebuch 1870-71," Deutsche Rundschau, LVII (1888), pp. 5-32. Die Tatsache, dass Bismarck, aus eigenen Gründen, diese Publikation beschlagnahmen ließ und versuchte, den Mann zu bestrafen, der sie zur Publikation gebracht hatte, bestärkte diese Ansicht nur noch.
[153] 11. Aug. 1888, Wentzke, II, 446; auch Victoria an Queen Victoria, 13. Aug. 1888, Ponsonby, p. 329; Waldersee, II, 12-13.
[154] Sie insbesondere seinen Artikel vom 18. Oktober 1888, Die Nation, 20. Okt. 1888, pp. 31ff.
[155] Gisbert Beyerhaus, "Bismarck und Kaiser Friedrichs Tagebuch," Historische Aufsätze: Aloys Schultze zum 70. Geburtstag (Düsseldorf, 1927), p. 319.
[156] 11. März 1888, Wentzke, II, 437-38.

Übersetzung: Joachim Reinhardt
Anmerkung: Die meisten Zitate sind Rückübersetzungen aus dem Englischen und können daher im Wortlaut von Original abweichen.

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