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Kaiserin Friedrich als Künstlerin

3. Kaiserin Friedrich in Kronberg

Nach dem Tod ihres Mannes Friedrichs III. und den Differenzen mit ihrem Sohn Kaiser Wilhelm II. errichtete sich Kaiserin Friedrich - wie sie sich nun nannte - in Kronberg ihren Witwensitz. Im 1894 fertiggestellten Schloß Friedrichshof hatte sie sich ein geräumiges Atelier zur Nordseite hin eingerichtet. G.A. Leinhaas, der Bibliothekar der Kaiserin, schreibt in seinen Erinnerungen, daß sich die Kronprinzessin meistens nach 12 Uhr mittags, nachdem sie ihren sonstigen zahlreichen Verpflichtungen nachgekommen war, in ihrem Atelier der Malerei zu widmen pflegte. Er berichtet weiter, daß sie "stetig und unaufhörlich malte. Kaum war ein Fleck, ein landschaftlicher Blick in der ganzen Gegend, den die Fürstin nicht durch Aquarell oder wenigstens eine Farbskizze verewigt hätte." Ihr besonderes Interesse galt den schmiedeeisernen Kirchturmspitzen, die sie bei ihren Ausflügen in den Taunus entdeckte. Leider sind heute nur noch wenige dieser Studien nach der Natur aus ihrer Kronberger Zeit bekannt: Schloß Friedrichshof, das Eichentor, die Burg und der Blick auf die Burg von der Terasse von Schloß Friedrichshof aus.

Kaiserin Friedrichs Beziehung zur Malerkolonie

Als Kaiserin Friedrich nach Kronberg kam, hatte sie bereits eine umfassende künstlerische Ausbildung genossen. Ihre Kunstwerke übertrafen den üblichen adligen Dilettantismus. Als Künstlerin und Kunstfreundin nahm sie Kontakt zu den Mitgliedern der Malerkolonie auf.

Die engste Beziehung hatte sie zu Norbert Schrödl (1842-1912), den sie bereits 1877 in Berlin auf der 50. Herbstausstellung kennengelernt hatte. Seine in Rom entstandenen Arbeiten hatten ihre Aufmerksamkeit erregt und sie besuchte den Künstler in seinem Atelier. "Der Besuch der Kronprinzessin war für mich eine große Freude, denn sie betrachtete meine Bilder und Studien mit eingehendem Interesse und so viel feinem Kunstverständnis, wie man das bei Laien nur selten findet. Wenige Tage später erhielt ich eine Einladung zur Tafel in Potsdam in das Neue Palais, mit der Bitte, meine Aquarelle mitzubringen, da Ihre K. H. diese nochmals anzusehen wünschte. Von dieser Zeit ab hatte ich die Ehre, häufiger Gast der Kronprinzlichen Herrschaften zu sein, bald bei größeren, bald bei kleineren Gelegenheiten. Die schlichte Art des Kronprinzen und das lebhafte Temperament der Kronprinzessin übten einen großen Zauber aus. Man fühlte, daß das warme Interesse für alle geistigen und künstlerischen Gebiete an diesem Hofe dem eigensten Bedürfnis entsprang", so Norbert Schrödl in seinen Erinnerungen "Ein Künstlerleben im Sonnenschein".

Neben dem Berliner Atelier besaß Norbert Schrödl um 1879 weitere in Baden-Baden und in Frankfurt am Städelschen Kunstinstitut. 1887 zog der vielgereiste und international bekannte Porträtist nach Kronberg. In dem idyllisch gelegenen Malernest suchte er die Abwechslung zur Bildnismalerei und wandte sich Tierstudien zu.

Die prächtige Villa des Ehepaars Schrödl stand in der Hainstraße 18, in unmittelbarer Nähe zu Schloß Friedrichshof. Der "Cronberg-Schwärmer" stand der fürstlichen Freundin 1888 bei der Suche des Bauplatzes, beim Bau des Schlosses und bei der Inneneinrichtung beratend zur Seite. Auch die Errichtung der Volksbibliothek, die Restaurierung der Burg oder die Errichtung des Kaiser-Friedrich-Denkmals besprach Kaiserin Friedrich eingehend mit dem Künstler. Bei der Renovierung der Johanniskirche tauchten alte Wandmalereien unter dem Verputz auf, die Norbert Schrödl dann restaurierte.

Kaiserin Friedrich war häufiger Gast bei den Schrödls. Aus dem Gästebuch des Künstlers, das im Stadtarchiv der Stadt Kronberg im Taunus aufbewahrt wird, kann man entnehmen, daß die Villa Treffpunkt für Künstler, Gelehrte, das Großbürgertum und Adelige war. Im Gegenzug war das Ehepaar Schrödl häufig in Schloß Friedrichshof zum Essen oder zu Veranstaltungen eingeladen.

Bald nach dem Einzug in Schloß Friedrichshof nahm Kaiserin Friedrich Malstunden bei dem Künstler. Else Schrödl hat in den Erinnerungen "Ein Künstlerleben im Sonnenschein" jeden Besuch der Kaiserin festgehalten. "Die Kaiserin hat heute ihre Malstudien bei Norbert mit einem Bilde begonnen, das sie dem König von Sachsen schenken will. Das Motiv ist der Blick von unserer Terrasse auf die alte Burg ... Seitdem kommt die Kaiserin täglich zum Malen, gewöhnlich nachmittags von 3 bis 5 Uhr, und bleibt hie und da zum Tee." Nach der Vollendung dieses Aquarells begann Kaiserin Friedrich ein Stilleben zu malen, das ihr der Meister arrangierte. Da kein passender Krug gefunden wurde, gingen sie gemeinsam zum Schloß, um dort einen zu suchen. Über das Malen vergaß die Kaiserin die Zeit und häufig ließ sie ihre Gäste in Schloß Friedrichshof warten.

Kaiserin Friedrich hat die sie umgebenden Menschen gerne porträtiert. Neben ihren Kindern oder einem indischen Diener, saß ihr auch Else Schrödl, die "liebe Nachbarin". Die Sitzungen im Schloß Friedrichshof waren für Else sehr anregend, denn die beiden Frauen führten interessante Gespräche und unterhielten sich über alltägliche oder persönliche Angelegenheiten. Else Schrödl äußerte, daß sie keine Frau kenne, die so "beschlagen" sei auf allen Gebieten. In ihrem Vermächtnis hat Kaiserin Friedrich Else Schrödl eine Porträtzeichnung überschrieben, die sie einige Jahre zuvor angefertigt hatte.

Der seit 1894 mit dem königlich preußischen Professorentitel geehrte Norbert Schrödl hat selbstredend auch ein Bildnis von Kaiserin Friedrich geschaffen. Das 1898 entstandene Gemälde der Kaiserin mit schwarzem Witwenschleier befindet sich heute im Besitz des Städelschen Kunstinstitutes. Weitere Mitglieder der Hohenzollern-Familie - wie Kaiserin Auguste oder Wilhelm II. - haben sich ein Konterfei von dem Künstler machen lassen. Als Nobert Schrödl das Kronprinzenpaar von Griechenland mit seinen drei Kindern porträtierte, nutzte Kaiserin Friedrich die Gelegenheit und malte ebenfalls die Familie ihrer Tochter. Durch die Vergabe dieser Aufträge wurde der Künstler von der Kaiserin protegiert, was zahlreiche andere Auftraggeber nach sich zog.

Als Kaiserin Friedrich im Mai 1899 das lebensgroße Porträt ihrer Tochter Prinzessin Victoria in Arbeit hatte, kamen Mutter und Tochter häufig in Schrödls Atelier. Zu diesem Zeitpunkt litt die Fürstin bereits unter den Folgen ihres schweren Reitunfalls. Die Erkrankung behinderte sie beim Malen. Da sie die obere Partien des Gemäldes nicht vollenden konnte, baute ihr Norbert Schrödl eine Erhöhung auf den Maltritt und legte Kissen herum, so daß die Kaiserin das Gemälde vollenden konnte.

Über die Kontakte von Kaiserin Friedrich zu den anderen Kronberger Künstlern ist wenig bekannt. Da sie aber, wie bereits in Berlin, ein offenes Haus für Künstler hatte, kann man davon ausgehen, daß sie die Maler größtenteils persönlich kannnte.

Aufgrund einer Eintragung in das Gästebuch der Schrödls weiß man, daß sich Kaiserin Friedrich und Anton Burger (1824 -1905) in der Schrödl-Villa getroffen haben. Wie eng die Beziehung zu dieser zentralen Gestalt der Kronberger Malerkolonie war und ob sie seine Malschule besuchte bzw. von ihm Kunstunterricht erhielt, darüber gibt es keine Hinweise.

Von Wilhelm Friedenberg (1845-1911) gibt es ein Porträt, das Kronprinzessin Victoria darstellen soll. Nähere Kontakte zwischen Kronprinzessin und Künstler bestanden über den Kronberger "Kriegerverein Germania", dessen Mitglieder am französischen Feldzug von 1870/71 unter dem erfolgreichen Feldherrn Kronprinz Friedrich Wilhelm teilgenommen hatten. In dem Protokollbuch des Kriegervereins werden Prof. Friedenberg und Heinrich Winter (1843-1911) als Mitglieder genannt. Aus dem exakt geführten Verkaufsbuch, das sich im Besitz der Museumsgesellschaft befindet, geht hervor, daß Kaiserin Friedrich eine Stallszene von Heinrich Winter erworben hatte. Die begeisterte Reiterin hat sehr wahrscheinlich eines ihrer edlen Tiere von dem Pferdemaler porträtieren lassen. Darüberhinaus ist eine Brief-Kopie erhalten, die den Künstler ins Schloß bittet. In den heutigen Inventarlisten der Hessischen Hausstiftung konnte leider kein Gemälde von Heinrich Winter gefunden werden.

Während des deutsch-französischen Krieges kam die Kronprinzessin 1871 erstmals von Homburg aus nach Kronberg, von dort aus betreute sie die umliegenden Lazarette. Während dieses Aufenthaltes hat sie auch den Pferde- und Orientmaler Adolf Schreyer (1828-1899) kennen gelernt, der in seinem Haus in der Hainstraße 11 ein Offizierslazarett eingerichtet hatte. Seine Frau Mary Schreyer wurde vom Kaiser für ihre humanitären Taten mit dem Eisernen Kreuz geehrt. Von der Kronprinzessin erhielt sie eine kleine aquarellierte Zeichnung zur Anerkennung geschenkt.

Der bekannte Historienmaler und Professor Ferdinand Brütt (1849 - 1936) ließ sich 1898 in Kronberg nieder. Nach dem Tod der Kaiserin schuf der Künstler das großformatige Gemälde ĄDie Aufbahrung der Kaiserin Friedrich in der Johanniskirche" in impressionistischer Manier. Diese für Kronberg wichtige Historiendarstellung, die sich lange Zeit im Besitz des Hohenzollernmuseums in Berlin befand, wurde zum 100. Todestag der Kaiserin von der Stadt Kronberg im Taunus aus Privatbesitz erworben und gehört nun der Stiftung Kronberger Malerkolonie.

Die künstlerische Neigung von Kaiserin Friedrich förderte das Ansehen der in Kronberg ansässigen Malerinnen und trug zu deren verbesserter gesellschaftlichen Anerkennung bei. Mathilde Knoop-Spielhagen (1861-1904) hat ein Porträt von Kaiserin Friedrich gezeichnet. Ihr Mann, Dr. Friedrich Spielhagen, war der Leibarzt von Kaiserin Friedrich, der diese auch auf ihren Auslandsreisen begleitete. Die in Frankfurt und später in Hofheim lebende Künstlerin Ottilie W. Roederstein (1859-1937) hatte Kaiserin Friedrich bei Norbert Schrödl kennengelernt. Die Persönlichkeit und das Schaffen der Künstlerin erregten die Aufmerksamkeit der Kaiserin und sie trafen sich in Roedersteins Atelier am Städelschen Kunstinstitut.

Die Verlegung des Witwensitzes von Kaiserin Friedrich nach Kronberg hatte weitreichende Auswirkungen auf den Bekanntheitsgrad des Taunusstädtchens und der Malerkolonie. Mit dem damit einhergehenden gesellschaftlichen Wandel und der Verbesserung der Infrastruktur änderte sich der dörfliche Charakter des Malernestes. Es siedelten sich nun eine Reihe von Künstlern an, die nicht mehr nur die ländliche Abgeschiedenheit suchten, sondern die auf zahlreiche Auftragsarbeiten durch die "höhere Gesellschaft" zählten.

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