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Kaiserin Friedrich als Künstlerin

4. Das künstlerische Selbstverständnis der Kaiserin Friedrich

Die künstlerischen Fähigkeiten von Kaiserin Friedrich sind in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt und werden in der Regel unterschätzt. Sie hat bei bekannten Meistern studiert und konnte ihre Kunstfertigkeit im Laufe der Jahre beachtlich steigern. Die Qualität ihrer Malerei kann den Vergleich mit vielen anderen Kronberger Malern aufnehmen.

Wie die meisten Kronberger Maler suchte Kaiserin Friedrich ihre Motive direkt vor der Natur. Große Kunstfertigkeit hat sie in der Porträt- oder Stillebenmalerei erworben. Moderne Kunstströmungen wie Impressionismus oder Jugendstil hat sie abgelehnt. Nach Norbert Schrödl, mit dem sie sich gerne über Kunstfragen unterhielt, bevorzugte sie die "glatten Schönpinseleien der Angeli und Werner". Kaiserin Friedrich schätzte insbesondere die Kunstepoche der italienischen Renaissance, hier sah sie ihren Kunstanspruch verwirklicht. Während ihrer zahlreichen Aufenthalte in Italien hat sie häufig die alten Meister kopiert. Bekannt sind Kopien nach Sandro Botticelli und Filippo Lippi. Die von Kaiserin Friedrich geschaffenen repräsentativen Porträts ihrer Kinder widerspiegeln den Einfluß dieser Kunstepoche.

Die Kunstwerke der Kronprinzessin waren in Berlin gelegentlich bei den Ausstellungen des Vereins Berliner Künstlerinnen zu sehen. Damit förderte sie das Ansehen der dortigen Künstlerinnen. Ansonsten schmückte sie ihre eigenen Räume damit und verschenkte sie im Familien- und Bekanntenkreis. In der Öffentlichkeit stellte die malende Fürstin ihre Kunstwerke nur für Wohltätigkeitszwecke zur Verfügung. Bei der Veranstaltung "Altfrankfurter Tage" von 1896, zu Gunsten des Kronberger Krankenhauses und des Frankfurter Künstlervereins organisiert, haben viele Kronberger Künstler teilgenommen. Der Katalog führt 125 Gemälde an, darunter auch drei von Kaiserin Friedrich, die die Schirmherrschaft übernommen hatte: ein Motiv aus Kronberg, eine Landschaft aus der Gegend von Trient und ein Blumenstück, die für einen hohen Preis verkauft werden konnten. Ansonsten waren die Bilder der Kaiserin Friedrich in Kronberger Raum, soweit bekannt, nie auf Ausstellungen zu sehen.

In Berlin wie in Kronberg pflegte Kaiserin Friedrich den Kontakt zu Künstlern. Selbst wollte sie sich aus Bescheidenheit nicht als deren Kollegin bezeichnen, aber in ihrer Liebe zur Kunst und darin, das Schöne erkennen und schätzen zu können, meinte sie nicht nachstehen zu müssen. Sie äußerte einmal:
"Wenn ich von Beruf nicht Kronprinzessin sein müßte,
so wäre ich Malerin".

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