Hoch Vorwärts

Gustav Leinhaas

Vorrede

  Als Ihre Majestät die Kaiserin Friedrich im Jahre 1893 ihre Residenz dauernd in dem von ihr neuerbauten Schlosse Friedrichshof aufschlug, wurde dem Verfasser dieses Buches die Verwaltung der Bibliothek und der Kunstsammlungen daselbst im Ehrenamt anvertraut. Diese Tätigkeit dauerte bis zum Tode der Kaiserin im Jahre 1901.  
  Während dieser langen Jahre hatte der Verfasser täglich Gelegenheil, die Hohe Frau zu sehen, zu sprechen und gemeinsam mit ihr zu arbeiten. Er war daher in der Lage, ein treues und vielseitiges Bild vom Charakter und dem Lebenswerk der Kaiserin Friedrich zu gewinnen.  
  Zwölf Jahre sind nunmehr seit dem Tode der Kaiserin verflossen und so dürfte wohl die Zeit gekommen sein, dem deutschen Leser diese hochbedeutende Fürstin in Schrift und Bild vorzufü  
  Durch mancherlei Vorurteile und durch Legendenbildung ist nach und nach das Bild der Kaiserin entstellt worden. So daß es durchaus einer Richtigstellung bedarf, denn wir Deutsche wollen unser Kaiserhaus im Lichte der Wahrheit sehen!  
  Die Vorurteile richteten sich zum guten Teil gegen die "Engländerin". Der Verfasser wird aber zu beweisen suchen, daß die Kaiserin Friedrich ihr neues Vaterland Preußen und später Deutschland von ganzem Herzen liebte.  
  Die Nachwelt urteilt über bedeutende Persönlichkeiten, welche in ihrer Größe oft schwer zu verstehen sind, gerechter und sicherer als die Mitwelt. Die Zeitgenossen werden vielfach von veränderlichen Volksstimmungen und vereinzelten Vorkommnissen beeinflußt, ohne oft den Zusammenhang der Dinge zu begreifen.  
  Von Erörterungen politischer und polemischer Art wurde in diesem Buche ganz abgesehen, da dasselbe auch für die Frauen- und Töchterwelt bestimmt ist  
  Wer sich die Mühe gibt, sich mit der Kaiserin Friedrich eingehender zu beschäftigen, wird überrascht sein zu finden, daß das Charakterbild dieser Hohen Frau, der Mutter unseres Kaisers, wesentlich verschieden ist von der landläufigen Beurteilung; auch wird der Leser dieses Buches aus dem schicksalsvollen Leben der verewigten Kaiserin reiche Belehrung und vielseitige Anregung empfangen.

G. A. Leinhaas.

 

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