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Gustav Leinhaas

Kapitel XII. Trauerzeit der Kaiserin Friedrich.

  In die tiefe Trauer und die stille Zurückgezogenheit, welche dem Andenken an den teuren Gemahl geweiht war, fielen zuweilen einige Sonnenstrahlen, welche die Kaiserin vorübergehend von dem furchtbaren Ereignis ablenkten.
Kaiserin Friedrich in Witwentracht, ein Bild Kaiser Friedrichs betrachtend.
Verlobung und Vermählung der Prinzessin Sophie. Die Verlobung der Prinzessin Sophie mit dem Kronprinzen von Griechenland (dem jetzigen König) sollte schon am 14. Juni 1888 stattfinden. Der Heimgang des teuren Vaters trat indessen hindernd dazwischen, so daß die Veröffentlichung der Verlobung erst am 3. September 1888 erfoIgen konnte. Zur Vermählung am 27. Oktober (15. Okt. 1889 griech. Kal.) fuhren das junge Kaiserpaar, die Kaiserin Friedrich mit den Prinzessinnen-Töchtern und dem Prinzen Heinrich nach Athen und wurden mit brausendem Jubel von der Bevölkerung begrüßt.
Verlobung und Vermählung der Prinzessin Victoria. Im Jahre darauf, am 17. Juni 1890 verlobte sich Prinzessin Victoria mit dem Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe im Marmorpalais bei Potsdam. Die Vermählung fand noch im selben Jahre im Berliner Schlosse statt.  
Vermählung d. Prinzessin Margarete. Auch die jüngste Tochter der Kaiserin Friedrich, Prinzessin Margaret, die jetzige Herrin des Schlosses Friedrichshof, vermählte sich am 25. Januar 1893 mit dem Prinzen Friedrich Karl von Hessen, dem jüngeren Bruder des Landgrafen von Hessen.  
Pläne zur Erbauung eines Witwensitzes. Bei einer so pflichtgetreuen und gewissenhaften Fürstin, wie die Kaiserin Friedrich es war, versteht es sich von selbst, daß sie auch nach dem Heimgang des geliebten Gemahls die großartigen Bestrebungen für die Wohlfahrt des deutschen Volkes unermüdlich weiterpflegte. Hier eröffnete sich stets ein weites Feld der Betätigung für die Hohe Frau. Aber noch harrte ihrer eine neue, große Aufgabe. Das Kronprinzenpaar hatte auf seinen zahlreichen Reisen im In- und Auslande, bei Besuchen fremder Fürstenhöfe, bei Besichtigung öffentlicber Museen und privater Kunstsammlungen, eine Fülle künstlerischer Ideen baulicher Art gesammelt, welche dereinst einmal beim Neubau eines Palais Verwendung finden sollten. Zur Ausführung solcher Pläne kam es aber zu Lebzeiten Kaiser Friedrichs nicht mehr, da wohl vor allem die großen Mittel dazu fehlten.  
  Der Gedanke, dieses reiche baukünstlerische Material zur Bearbeitung fester Baupläne zu verwenden, tauchte nun in der Witwenzeit der Kaiserin Friedrich wieder auf, denn es galt, für die tiefgebeugte Hohe Frau eine Ablenkung von ihrem Gram und ihrem Herzenskummer zu finden.
Kaiserin Friedrich. Brustbild von Angeli.
  Nachdem, wie im nächsten Kapitel genauer beschrieben ist, die Wahl auf Cronberg am Taunus, bei Bad Homburg v. d. Höhe, gefallen war, begab sich die Kaiserin-Witwe zu häufigem Aufenthalt nach Bad Homburg, um im dortigen Schlosse die Baupläne für das neue Schloß, Friedrichshof genannt, mit ihrem Architekten Ihne gemeinsam zu schaffen. Die nächsten Jahre, bis zum Beginn der Bautätigkeit, waren im wesentlichen diesen wichtigen Vorarbeiten gewidmet.
  Im Jahre 1891 machte die Kaiserin als Protektorin der Großen Berliner Kunstausstellung den Versuch, französische Künstler zur Beschickung derselben zu bewegen. Einige Maler von Bedeutung nahmen auch die Einladung an. Um diesen persönlich zu danken und noch andere Künstler für diese Ausstellung zu gewinnen, unternahm nun die Kaiserin Friedrich eine Reise nach Paris Diese Fahrt stand indessen unter einem unglücklichen Stern und der Zweck derselben wurde durch ungeschickte Hände und schlechte Führung in Paris vereitelt.  

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