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Festvortrag - Kaiserin Friedrich

Karoline Müller
Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 e.V.

Eröffnungsvortrag zur Ausstellung Kaiserin Friedrich als Künstlerin der Museumsgesellschaft Kronberg e.V., 1.4.2001, Kronberg

 

Sehr geehrte Damen und Herren
liebe Monika Öchsner-Pischel,
liebe Rita Kellotat,
liebe Hildegard Reinhardt.

Wir sind zusammen gekommen, der Kaiserin Friedrich zu huldigen. Das fällt Ihnen hier in Kronberg nicht schwer.

In Berlin deuteten deutsche Berichterstatter noch 1992 den Besuch der Königin Elisabeth von England in Potsdam als das Interesse der Monarchin an Friedrich dem Großen.

In Wirklichkeit aber wollte sie ein Blumengebinde am Grabe der Kaiserin Friedrich, ihrer Urgroßtante, im Mausoleum an der Friedenskirche niederlegen. (Die evangelische Gemeinde war besser informiert und weisselte die Grabstätte vorher.)

Noch bis 1998 haben die Kunsthistorikerinnen, die ihr Geld mit Führungen zu den Fürstinnen im Park Sanssouci verdienen, die berühmteste Fürstin, die in Deutschland gelebt und gewirkt hat ausgespart. Es war so gut wie nichts über sie geforscht.

Sie war eine Avantgardistin, die für fortschrittliche Ideen in Deutschland kämpfte. Wie alle Avantgardisten hat sie nicht nur die eigene Haut zu Markte getragen und sich an den Pranger gestellt, sondern ihre Ideen wurden nicht erkannt und abgelehnt.

In einem Brief von 1870 schreibt Victoria von Preußen an ihren Mann Friedrich Wilhelm von Preußen:

"Seit meiner Kindheit glühe ich vor Begeisterung für die Sache des Fortschritts, der Kultur und der wahren Freiheit auf allen Gebieten. Wenn man hierfür schwärmt und ein großes Ideal im Herzen trägt, denkt man hinaus über die Schranken des einzelnen Volkes und strebt danach, daß alle Völker sich zu dem edlen Kampf gegen die Macht der Rohheit und Ignoranz die Hände reichen, um selbst dasjenige zu sein, welches am mächtigsten die Arbeit der Zivilisation fördert und der Wahrheit am nächsten kommt. Dies ist Pflicht, das kann ein Paradies werden, nenne es Christentum, nenne es Philosophie, Freimaurertum, was Du willst, die Sache ist diesselbe und heißt: Wohl der Menschheit. Freilich gehört ein starker Glaube dazu, und den wollen wir uns bewahren."

Victoria von Preußen hatte diesen starken Glauben und gab ihre Urteile klar und sicher ab.

Sie lud ins Neue Palais in Potsdam freisinnige Abgeordnete, liberale Gelehrte und die freie Künstlerschaft, sie war davon überzeugt, daß sich die Verhältnisse in Deutschland ändern würden. Sie sorgte dafür, daß ihre Gedanken nicht Utopie - unerfüllbar - blieben; ihre Visionen = Traumbilder hatten für sie die Verpflichtung alles zu verwirklichen.

Sie hat sich von der Körperhygiene bis zum Museumsbau um die Kultur Preussens verdient gemacht. Wir sind in Berlin dankbar für die "englische Einrichtung", das warme Wasser mit der Seife, den Sandkasten und für das schöne Bodemuseum.

Wir sind stolz, daß sie die Erwerbstätigkeit und die Qualifizierung im Beruf von Frauen, unterstützt und ausgeführt hat.

Indem sie immer und immer wieder weibliche Ausbildung anmahnte und Ausbildungsinstutitionen in vielerlei Beziehung initiierte und stützte, hat sie maßgeblich dazu beigetragen, die Frauen aus einen beschränkten Zustand zu befreien.

Bei dem von ihr geschaffenen Kunstgewerbemuseum, waren ausdrücklich Mädchen zur Ausbildung zugelassen. Solange sie lebte, wurden jährlich die besten Schülerinnen mit einer Medaille ausgezeichnet.

Die Frauen-Industrie-Ausstellungs-Medaille von 1868 trägt nicht von ungefähr ihr Abbild.

Das alles und viel mehr:

1 Die Besuche der Königin von England und Kaiserin von Indien in Schloß Babelsberg;
2 Der Schloßgarten in Babelsberg;
3 Die Beziehungen der Victoria von Preußen zu der britischen Botschaft in Berlin;
4 Ihre Freundschaft zu Ludwig Bamberger, dem 48er, der 1871 als Abgeordneter in den Deutschen Reichstag einzog und die Gründung der Deutschen Reichsbank durchsetzte;
5 Ihr Leben im Neuen Palais in Potsdam;
6 Einige Möbelstücke auf denen sie gesessen hat;
7 Die Laube in Bornstedt und die Muster-Milchwirtschaft auf dem Krongut;
10 Der Brief-Austausch, wie man Vieh zu füttern hat;
11 Ihre gesamte alternative Landwirtschaft;
12 Eine erste, umfassende, kunsthistorische Würdigung der bildenden Künstlerin Victoria von Preußen;
13 Gemälde von ihr und über sie Malereien von Vereinsmitgliedern, mit denen sie gearbeitet hat;
14 Das Kaiserin Friedrich Denkmal und was daraus geworden ist;

das alles wird in einem dicken Buch und einer kleineren Ausstellung - in Berlin gibt es nur zwei Ölgemälde der Kaiserin - zusammengefaßt und am 4. August in Schloß Babelsberg in enger Zusammenarbeit mit der Stiftung Preussischer Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg gezeigt.

Sie sind herzlich eingeladen um 15 Uhr in das Schloß Babelsberg in den Speisesaal, in dem das Family Dinner stattfand, mit Blick auf die Havel auf der die Berliner in einem Wasserkorso mit überaus geschmückten Kiel- und Segelbooten der englischen Königin huldigten, Torf- und Holzkähnen, Kapellen und Liedervereinen.

Die englische Königin revanchierte sich; Die National-Zeitung berichtete 1858: Die hohen Herrschaften auf Schloß Babelsberg bewegten sich viel auf der beleuchteten Terrasse des Schlosses.

Sie sehen den Park den zuerst Lenne anlegte und den Fürst Pückler zu Ende führte.

Derselbe Park, in dem Wilhelm I. 1862 mit Bismarck spazierte, und dieser ihm vom Rücktritt zu Gunsten seines Sohnes abbrachte.

Sie werden auf die Glienicker Brücke sehen, mit der kleinen und großen Neugierde der Hofdamen aber auch mit dem Agenten-Austauschplatz im kalten Krieg.

Die Künstlerinnen des Vereins der Berliner Künstlerinnen 1867 werden viel Wein und Wasser mitbringen, um Sie zu bewirten. Mit Ihnen wollen wir Victoria von Preussen ehren, der wir etwas schuldig sind, von der wir nach einhundert Jahren wissen, daß sie nicht gescheitert ist.

Der Princess Royal, der Prinzessin Friedrich Wilhelm, der Kronprinzessin Victoria, der Kaiserin und Königin Victoria der Kaiserin Friedrich sind viele Menschen zu Dank verpflichtet

Und Helene Lange behielt recht mit ihrer Feststellung:

"Der Weltgeschichte, die aus Fürstengalerien mit Schlachtenbildern im Hintergrund besteht, wird sie nichts bedeuten. In die Kulturgeschichte aber wird sie eingehen, als die erste Fürstin die ihren vollen Einfluß für die Frauenbewegung einsetzte, zu einer Zeit in der die Acht weiter Kreise noch schwer auf ihr lastete."

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