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X. Arbeiten für karitative Zwecke

Als Mitglied des englischen und preußischen Königshauses reichte Victoria gelegentlich Arbeiten zu Benefizausstellungen ein und fertigte Vorlagen für verkäufliche Lithographien an. So trug ihr das Aquarell "Schlachtfeld" (1855)[201], das sie unter Anleitung des Lehrers Edward Henry Corbould schuf und zugunsten des "Patriotic Fund" im Mai desselben Jahres im Burlington House in London zeigte, höchstes Lob der "Illustrated London News" ein. Die Kritik bezeichnete Victorias Beweinungsszene als "die bei weitem beste Zeichnung in dem Raum [...] von künstlerischer Komposition, poetischem Gefühl und mutiger Ausführung."[202] In eine schützende Lunette komponierte sie die Klage einer schönen jungen Frau um ihren im britisch-russischen Krim-Krieg von 1854 gefallenen Geliebten vor untergehender Sonne. Das Aquarell und die Farblithographie verströmen bereits 1855 in großartiger Empfindsamkeit Klage, Abschied, Trauer, untergegangene Hoffnungen - Stimmungen und Befindlichkeiten, die Victorias Biographie kennzeichnen sollten, werden bereits hier artikuliert. In der Anbringung des von Adolf von Hildebrand gestalteten "Gedenkmal für die Kaiserin Victoria" (1903/04)[203] vor der Johanniskirche in Kronberg sollten sie ihren Schlußpunkt finden. Das Denkmal besteht aus dem Porträtrelief der Kaiserin mit Witwenschleier und dem Relief "Grablegung". Victoria hatte dem Bildhauer große Wertschätzung entgegengebracht, so daß er den Auftrag zu der Arbeit erhielt, die auf die Initiative der Kronberger Bevölkerung zurückging. Das Memorial wurde 1904 in Gegenwart Wilhelms II. feierlich enthüllt.

Mit der Gestaltung der "Vier Blätter, gewidmet der tapferen preußischen Armee" stellte die Kronprinzessin ihre patriotische Gesinnung unter Beweis. Sie entstanden zur Erinnerung an den 18. April 1864, also an den Sieg Preußens über die Dänen bei Düppel. Der Erlös der Lithographien, die ausgestellt wurden, war für Victorias Fonds für die Kriegsopfer bestimmt.[204] Die Figur eines Soldaten ist jeweils Bildgegenstand - zwei Blätter zeigen die Helden in Angriffsposition vor einer Bergkulisse, zwei weitere stehen betend und trauernd auf dem Schlachtfeld, wobei das Blatt "Nun danket alle Gott" (1864) die Verfassung der Kriegsteilnehmer, so auch des Kronprinzen, am Ende der Kampfhandlungen am besten trifft. Dieser notiert am Siegestag in sein Tagebuch: "Gott hat uns sichtlich seinen Beistand geschenkt, wir können ihm nicht genug hierfür danken; dabei ist mein Herz so voller Wonne und Stolz über unsere Truppen, daß ich immer mit Freudentränen kämpfte."[205]

Im April 1867 veranstaltete die Kronprinzessin in ihrem Palais in Berlin einen Basar zugunsten der "Nationalen Invalidenstiftung", der sich als großer Verkaufserfolg erwies. Die englische Königin hatte u.a. Schals, Photographien und einen Geldbetrag beigesteuert. Victoria selbst kam aus Zeitgründen nicht dazu, eigene künstlerische Werke anzufertigen. Doch erwarb sie von dem Geld der Mutter ein Aquarell von "einem unserer ersten Künstler - Richter, das mich beim Verkauf Deiner Schals zeigt."[206] Das Aquarell "Der Basar der Kronprinzessin in Berlin im April 1867" (1867) bringt Victoria ins Bild, wie sie in zeitgenössischem Reifrock-Kleid mit Mantille und kleiner Haube temperamentvoll auf ein offenbar kaufwilliges Paar einredet, wobei Kronprinz Friedrich Wilhelm sich im Hintergrund hält.[207] Riesige Rundbögen mit Supraporten und eingelassenen Medaillons zeigen das Palastinnere, in dem einzelne Verkaufstische aufgestellt sind. Ebenfalls für karitative Zwecke schuf Victoria 1874 fünf Arbeiten (Gemälde und Aquarelle), die über den Londoner Händler Algernon Graves zum Kauf angeboten wurden. "Im Garten von Sans Souci" (1874) [208] zeigt das Lieblingsschloß Friedrichs II. in sommerlicher Heiterkeit und Pracht. Eine mehrstufige wassersprühende Fontäne bildet den Mittelpunkt des Bildgeschehens und verlebendigt die Verschwisterung von üppiger Vegetation und eleganter Rokoko-Architektur im Sonnenlicht. Die Sequenz von Sanssouci-Veduten entstand vermutlich in Zusammenarbeit mit dem englischen Maler William Callow (1812-1908), der anläßlich seiner Potsdam-Aufenthalte 1863 und 1874 zahlreiche Innen- und Außenansichten u.a. des Neuen Palais und von Sanssouci schuf.[209]

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