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XI. Kunstgewerbliche Arbeiten

Entwürfe und Ausführung kunstgewerblicher Arbeiten (Textilien, Keramikobjekte, Scherenschnitte) sowie Architekturzeichnungen beschäftigten die Künstlerin von Jugend an bis in die Kronberger Jahre. Das Skizzenbuch "Ihrer Majestät der Kaiserin Friedrich 1872" enthält zahlreiche Entwürfe für Schmuck (schwergliedrige Ketten mit großen Steinen), Kacheln und Keramik mit teilweise geometrischem Dekor im viktorianischen Stil.[210]

Ein beliebtes Geschenk innerhalb der königlichen Familie waren Fächer. Die Princess Royal fertigte 1856 einen kunstvoll aquarellierten "Fächer" (1856)[211] für ihre Mutter an, bei dem die Buchstaben des Namens der Beschenkten mit sommerlichen Blumensträußen verziert sind. Dieser Technik verwandt ist die Gestaltung von Wandschirmen. Im April 1867 erwähnt die Kronprinzessin ihrer Mutter gegenüber, daß sie für die Königinwitwe Elisabeth einen Paravent fertiggestellt habe. 1899 ist in den Briefen die Rede von einem Tintenfaß, das die Kaiserin an die Mutter nach England schickte: "Es ist der Versuch, in Kronberg Keramik herzustellen. Ich möchte hoffen, daß das Stück Dein Gefallen findet, denn es wird kein zweites Exemplar angefertigt und die Künstlerin hat sich große Mühe damit gegeben."[212] In seinem Tagebuch berichtet der Kronprinz im Oktober 1865, daß seine Frau ihm die neu ausgeschmückte Kapelle mit selbstgestickter Altardecke und Teppich, Tapete mit goldenen Kreuzen" als Geburtstagsgeschenk vorbereite.[213] Wappen-Entwürfe der Kaiserin nach alten Vorbildern wurden, wie G.A. Leinhaas berichtet, als Vorlage bei der Ausmalung der alten Burg Kronberg und der Anfertigung des Glasfenster in der Johanniskirche von Kronberg verwendet.[214] Ihren gartenarchitektonischen Neigungen und Vorstellungen konnte die Kronprinzessin im Frühsommer 1864 im Neuen Palais in Potsdam und noch wesentlich umfassender bei der Planung des Parks von Schloß Friedrichshof nachgehen, den ihr Potsdamer Hofgärtner Wagner nach "englischer Manier" anpflanzte, wobei er auch den weithin bekannten Rosengarten anlegte.[215]

Entwürfe lieferte die Kronprinzessin auch für das Mausoleum ihres Vaters in Frogmore. Ausgehend von ihren Skizzen, fertigte Carlo de Marocchetti (1805-1867) die Figur des Verstorbenen an. William Theeds "Gruppe der Königin Victoria und des Prinzen Albert" - auch in Frogmore - lagen ebenfalls Zeichnungen Victorias zugrunde. Bei der Gestaltung der Albert Memorial Chapel, die auf dem Gelände von Windsor Castle liegt und unmittelbar an St. George's Chapel grenzt, waren ihre Anregungen, den Vater in einer mittelalterlichen Rüstung darzustellen, maßgeblich für die Endfassung Henri de Triquetis (1804-1874).[216] Im Rahmen der Ausgestaltung der Kapelle schuf die englische Bildhauerin Susan Durant (1820/30- 1873) die Medaillons der Kinder des englischen Königspaares für die Gedenkkapelle. Victoria teilt ihrer Mutter im September 1865 mit: "Frau Durant ist hier - sie arbeitet an meinem Medaillon für die Wolsey Chapel, was sehr erfolgreich zu werden verspricht. Ich bin so gespannt, wie weit die Arbeit an dem Mausoleum ist und auch die Arbeit an der Wolsey Chapel, mit der bei meinem letzten Besuch ja noch nicht begonnen worden war."[217] Daß Kaiserin Friedrich in den 1880er Jahren "eigene Zeichnungen und Pläne" für das Mausoleum in der Potsdamer Friedenskirche schuf, vermerkt Wilhelm lI. in seinem Rückblick "Ereignisse und Gestalten".[218]

Ein Geschenk für den Prinzen und die Prinzessin von Wales waren die Supraporten, die die Kronprinzessin im Herbst 1881 ausführte: "Ansicht von Schloß Kronborg" (1881) und "Ansicht von Windsor Castle" (1881)[219] waren für das Speisezimmer in Malborough House bestimmt. Als Pendants konzipiert, veranschaulichen beide Gemälde silhouettenhaft jeweils wasserumspülte Schlösser - Schloß Kronborg im Mondschein, Schloß Windsor vor aufgehender Sonne. Beide Ansichten sind umkränzt von Girlanden aus Früchten, Blumen und den Wappen des Paares. Sie symbolisieren Vergangenheit und Gegenwart der Prinzessin von Wales und stellen durch die Allusion auf "Hamlet" ein Bindeglied zwischen Dänemark und England her.

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