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VI. Franz von Lenbach (1836-1904)

Noch 1875 äußerte sich Victoria mokant über Franz von Lenbach. "In Wien gibt es einen weiteren Maler, der sehr in Mode ist, er heißt Lenbach. Die Leute ziehen ihn für gewöhnlich Angeli vor. Ich finde ihn schrecklich, eine Art 'Turner' für Porträts, falls man sich so etwas vorstellen kann. Ich habe gehört, wie die schrecklichsten Klecksereien als wunderbar klug, original und schön bezeichnet wurden. Mir erscheinen sie schlicht und ergreifend verrückt."[125]

Die Bekanntschaft zwischen dem Kronprinzenpaar und Franz von Lenbach vermittelte vermutlich Gräfin Marie von Schleinitz. Der Münchener Maler hatte in Berlin Repräsentationsbildnisse von Kaiser Wilhelm I., Otto von Bismarck, Helmuth von Moltke, aber auch der Marie Gräfin von Schleinitz und Maria Gräfin von Bülow geschaffen, bevor er Ende der 1870er Jahre Aufträge für Porträts und Ganzfigurenbilder Friedrich Wilhelms und Victorias ausführte. 1880 stellte er amüsiert fest: "Arbeite bei der Kronprinzessin, bin (leider!) nun ganz in Gnade gefallen!"[126] Sein Gemälde "Kronprinzessin Victoria von Preußen" (Ende der 1870er Jahre)[127] ist als Ganzfigurenbild nach links konzipiert. Sie posiert in großer Abendrobe mit rosengeschmücktem Dekolleté und einem Diadem im dunklen Haar, auf einem prachtvollen Sessel neben einer Säule sitzend. Das ausgesprochen runde Gesicht und die geringe Körpergröße werden keineswegs camoufliert wie bei Heinrich von Angeli. Franz von Lenbach brachte sie trotzdem als hoheitsvolle Aristokratin ins Bild. Das Pastell "Kronprinzessin Victoria" (1887)[128] ist dagegen eine deutlich geschönte Version. Als Schulterporträt bringt es eine elegante, selbstbewußte Frau effektvoll in Szene. Die Darstellung war so beliebt, daß sie, als Heliogravüre gedruckt, vielfache Verbreitung erfuhr. Wie uneitel und illusionslos sich Victoria gerade in jenen Jahren selbst sah, gesteht sie ihrer Mutter im Oktober 1880: "[Ich] werde sehr unansehnlich [...], habe fast mein ganzes Haar verloren & das, was noch übrig ist, ist sehr grau geworden; mein Mund ist voller Runzeln und Falten, vor allem rund um die Augen & den Mund, und da ich keine Vorzüge besitze, deren ich mich rühmen könnte, bin ich wirklich ein Ärgernis [...] wenn ich mich im Spiegel betrachte."[129]

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