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Anton von Werner

Dreiunddreißigstes Kapitel - 1885

Kunstkritik in der "Gartenlaube"

Der Bericht über meine wesentlichen Erlebnisse in 1885 würde unvollständig sein ohne das Geständnis, daß ich in diesem Jahre - soviel ich mich erinnere das erste und einzige Mal - als Kunstreferent und Kritiker publizistisch tätig gewesen bin. Es geschah auf die Anfrage des Redakteurs der "Gartenlaube", Hermann Heiberg, an den Grafen Seckendorff vom 22. September, ob dieser ihm nicht jemand nennen könne, der zu drei in Holzschnitt zu veröffentlichenden Arbeiten der Frau Kronprinzessin, einem Stilleben, einer Landschaftsstudie aus Pegli und einem weiblichen Studienkopf, einen begleitenden Text schreiben könne. Graf Seckendorff nannte mich, und ich fand bei der wahrhaften Schätzung, die ich für die hervorragende künstlerische Begabung und das ernsthafte Streben der hohen Frau hegte, keine Veranlassung, mich dieser immerhin heiklen Aufgabe zu entziehen. Der Artikel erschien in der "Gartenlaube", ging in die ausländischen Zeitungen über - vor mir liegt eine Nummer der "Riforma" vom 30. November 1885, die ihn unter der Überschrift: "Una Principessa pittrice" vollinhaltlich in vortrefflicher Übersetzung als Feuilleton bringt und man versicherte mir, daß man über ihn auf einen Augenblick den Krieg vergessen habe, der seit dem 15. November zwischen den Serben und Bulgaren entbrannt war, und so durfte ich annehmen, daß ich meine Aufgabe befriedigend gelöst habe,

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